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Verband Frau und Kultur seit 70 Jahren in Delmenhorst – Wurzeln in der Frauenbewegung Frauen wehrten sich gegen die Kleiderordnung

Von Dirk Hamm | 04.03.2017, 11:47 Uhr

Immer mittwochs trifft sich die Delmenhorster Gruppe des Deutschen Verbands Frau und Kultur. Jetzt stand dabei ein Rückblick auf die vergangenen 70 Jahre im Vordergrund. Denn genau so lange existiert die Frauenvereinigung in der Delmestadt.

Immerhin konstant um die 110 Mitglieder zählt der Verband seit Jahren in Delmenhorst, berichtet Angelika Cromme, die den Vorsitz vor vier Jahren von Hilda Zschippang übernommen hat. Kulturelle Exkursionen und Besichtigungen, Theater- und Opernbesuche, Vorträge und Literatur, Plattdeutsch, Töpfern und Werken sowie Gymnastik: Die Bandbreite der Interessen und Aktivitäten, die gemeinsam gepflegt werden, ist groß.

Wurzeln des Verbands in der Frauenbewegung

Allerdings würde sich Cromme nach eigener Aussage wünschen, dass auch wieder mehr jüngere Frauen neue Impulse in die Gruppe hineintragen. In den 70er Jahren, so entnimmt sie es den Vereinsannalen, hat es eine Gruppe „Mutter und Kind“ in den eigenen Reihen gegeben.

Seine Wurzeln hat der Verband in der Frauenbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts. 1896 war ein „Verein für die Verbesserung der Frauenkleidung“ gegründet worden. In diesem schlossen sich selbstbewusste Frauen zusammen, die sich gegen die einengende wilhelminische Kleiderordnung zur Wehr setzten. Einengend ist dabei ganz wörtlich zu nehmen, denn es war das berüchtigte Korsett, gegen das diese Frauen opponierten.

Pflege der Kultur rückte in den Vordergrund

Name und Inhalt der Frauenvereinigung sollten sich in der Folgezeit ändern, die Beschäftigung mit den vielfältigen Ausprägungen der Kultur rückte in den Vordergrund. Ein Name, der im Rückblick auf die vergangenen sieben Jahrzehnte immer wieder fällt, ist der von Minni Ullmann. Die 1907 Geborene trat 1940 in Bremen dem Verband bei, der sich seit 1929 Deutsche Frauenkultur nannte. In der Zeit des Nationalsozialismus war die Vereinigung starkem Druck seitens der NS-Führung ausgesetzt, die ein völlig entgegengesetztes Frauenbild, das ganz auf die Mutterrolle fixiert war, propagierte.

1974 erhielt Verband heutigen Namen

Nach dem Krieg boten sich den kulturinteressierten Frauen wieder die zuvor vermissten Entfaltungsmöglichkeiten. In Delmenhorst bildete sich jetzt von Bremen aus eine eigene Gruppe der Deutschen Frauenkultur, die 1974 in Deutscher Verband Frau und Kultur umgetauft wurde. Als Gründungsdatum nennt Angelika Cromme den 28. Februar 1947, die Gründerinnen waren Almuth Bartschat, Minni Ullmann und Annemarie Stange.

Kunsthandwerk fand viel Beachtung

Ullmann war es dann auch, die „Frau und Kultur“ in Delmenhorst als Vorsitzende von 1960 bis 1985, ein Jahr vor ihrem Tod, entscheidend prägte. Die kreative Sparte mit Kunsthandwerk, Töpfer- und Handarbeiten erlebte ihre Blütezeit. So wurden unter Ullmanns Leitung mehr als 20 kunsthandwerkliche Weihnachtsmessen im Haus Coburg auf die Beine gestellt.