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Verein Brücke Delmenhorst Intensiver Hilfebedarf bei straffälligen Jugendlichen

Von Dirk Hamm | 30.05.2017, 10:42 Uhr

Der Betreuungs- und Beratungsbedarf bei straffällig gewordenen Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren deutlich intensiver geworden.

Diese Feststellung haben die pädagogischen Fachkräfte in den Projekten Delmenhorst und Wildeshausen des Vereins Brücke Delmenhorst gemacht. Geschäftsführerin Sandra Schier und ihr Stellvertreter Kai Kaufmann stellten am Montag im Vereinssitz an der Wissmannstraße den Jahresbericht für die Arbeit der Brücke im vergangenen Jahr vor.

Niedrige Abbrecherquote in den Projekten

Im Brücke-Projekt Delmenhorst sind 2016 demnach 120 und im Projekt Wildeshausen 46 Jugendliche betreut worden. Sie haben aufgrund von jugendrichterlichen Anordnungen eines der verschiedenen Betreuungs- und Lernangebote der Brücke wahrgenommen. Darunter fallen die intensive Einzelfallhilfe, die sogenannte Betreuungsweisung, auferlegte Arbeitsstunden in der Holz- oder Fahrradwerkstatt und die Teilnahme an Anti-Gewalt-Kursen und verkehrspädagogischen Seminaren. Der Altersdurchschnitt liegt in Delmenhorst bei 17,8 Jahren. Die Abbrecherquote von 12,6 Prozent in diesem Projekt ist laut Schnier „sehr niedrig“.

Intensität des Betreuungsbedarfs nimmt zu

Die Zahl von 120 betreuten Jugendlichen falle nicht aus dem Rahmen, erklärte Sandra Schier. In den vergangenen Jahren seien es zwischen 115 und 150 junge Menschen pro Jahr gewesen, die bei der Brücke in Delmenhorst Betreuung und Hilfestellung in ihren spezifischen Problemlagen erhalten haben.

Was sich aber verändert habe, sei die Intensität des Betreuungsbedarfs, erläuterte Kai Kaufmann. „Die Tendenz ist, dass bei den Jugendlichen immer mehr Probleme zusammenkommen“, so der Sozialpädagoge.

Auf Jugendlichen lastet wachsender Gruppendruck

Noch vor zehn Jahren sei es üblich gewesen, dass Hilfebedarf beispielsweise aufgrund von Schuldenproblemen bestand, es bei dem betroffenen Jugendlichen ansonsten aber leidlich lief. Heute sei es der Normalfall, dass weitere Probleme hinzukommen, etwa in der Schule oder Stress in der Familie. Als Ursachen für diese Entwicklung nennt Sandra Schier neben der medialen Reizüberflutung den wachsenden Druck, innerhalb der eigenen Gruppe mithalten zu müssen und wachsende Versagensängste.

Um Förderung der Stärken der Jugendlichen bemüht

Den Vorteil des Konzepts der Brücke-Angebote sehen Schier und Kaufmann in der individuellen pädagogischen Begleitung auch der abzuleistenden Arbeitsstunden. „Es reicht nicht, den Besen auf dem Schulhof zu schwingen“, betont Kaufmann. Es gehe darum, die Stärken der Jugendlichen herauszuarbeiten und zu fördern. Das geschehe auch in Form von Unterstützung bei Bewerbungen.

Eine Erweiterung des Angebots der Brücke ist durch eine zweckgebundene anonyme Spende über 2000 Euro möglich geworden. Damit konnten in diesem Jahr zwei Gewaltpräventionskurse in der BBS II in Delmenhorst auf die Beine gestellt werden, berichtete der stellvertretende Geschäftsführer.