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Verein Brücke mit Jahresbilanz Jugendliche stärken Selbstbewusstsein in Werkstatt

Von Dirk Hamm | 22.04.2016, 08:47 Uhr

Der Verein Brücke hat im vergangenen Jahr 135 straffällige Jugendliche betreut. Zu den Angeboten zählt die Fahrradwerkstatt, in der im Kundenkontakt soziale Kompetenzen erlernt werden.

Der Verein Brücke betreut seit mehr als 30 Jahren in Delmenhorst und seit 1991 in einem weiteren Projekt in Wildeshausen straffällige Jugendliche und Heranwachsende. Im Projekt Delmenhorst im Vereinssitz an der Wissmannstraße haben die Fach- und Honorarkräfte der Brücke im vergangenen Jahr mit 135 jungen Menschen gearbeitet, im Jahr zuvor waren es noch 119. Eine Zunahme der Jugendkriminalität lässt sich daraus aber nicht herauslesen, betont Geschäftsführerin Sandra Schier: „Die Jugendkriminalitätsrate ist rückläufig. Die Schwankungen bei den Teilnehmern unserer Angebote ergibt sich aus dem Anteil der Jugendlichen, die eine intensive Betreuung benötigen“, erläuterte die Diplom-Pädagogin am Donnerstag während der Vorstellung des Jahresberichts 2015.

Individuelle Hilfen und pädagogische Gruppenangebote

Laut Schier hat die Brücke Delmenhorst auch im vergangenen Jahr die volle Bandbreite ihrer pädagogischen Angebote bedienen können. Dazu zählen individuelle Hilfen wie die intensive Einzelfallhilfe und die Betreuungshelferweisung ebenso wie Gruppenangebote. Diese wiederum fächern sich auf in pädagogisch begleitete Arbeitsstunden in der Fahrrad- oder der Holzwerkstatt, Anti-Gewalt-Kurse, verkehrspädagogische Seminare, Themengruppen, Wochenendseminare sowie freizeitpädagogische Angebote.

In der Werkstatt werden Schlüsselqualifikationen vermittelt

In den handwerklichen Gruppen erlernen die jungen Leute, die aufgrund einer vom Jugendgericht erteilten Auflage oder Weisung teilnehmen, einige Schlüsselqualifikationen, erläuterte Kai Kaufmann, stellvertretender Geschäftsführer der Brücke: „Das sind Dinge wie Zusammenarbeit, pünktlich zu sein und der Umgang mit den Kunden.“ In der Fahrradwerkstatt werden nicht nur defekte Räder kostengünstig repariert, sondern auch gespendete Vehikel wiederaufbereitet und verkauft.

Der Altersschnitt der Teilnehmer liegt bei 17,4 Jahren

Der direkte Kundenkontakt ermöglicht es den Gruppenteilnehmern, soziale Kompetenzen zu entwickeln und zu stärken, wie der Jahresbericht der Brücke hervorhebt: „Sie erfahren, was es heißt, Aufträge entgegenzunehmen, geschäftliche Absprachen zu treffen, handwerkliche Arbeiten durchzuführen und zu Ende zu bringen, für das Ergebnis Verantwortung zu übernehmen und gegebenenfalls auf Reklamationen zu reagieren.“ Von der Arbeit in den Holzgruppen profitieren soziale Einrichtungen. So nimmt derzeit ein massives Spielgerüst für die Kinder des Frauenhauses Gestalt an. Und für die Fahrradwerkstatt der Brücke wird ein zweites Fahrradhaus im Garten des Vereinsdomizils gebaut. „Das ist ein größeres Projekt. Für die Jugendlichen ist es total spannend, zu sehen, dass man mit eigener Hände Arbeit etwas erschaffen kann“, sagte Kaufmann.

Nach Angaben des Brücke-Vorsitzenden Joachim Musch halten mehr als 80 Prozent der Teilnehmer – darunter rund 20 Prozent Mädchen – bis zum Ende der gerichtlich angeordneten Maßnahmen durch. Dies sei das einzige Erfolgskriterium, über das der Verein verfügt. Der Altersschnitt liege bei 17,4 Jahren.