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Verein sucht Unterstützer Krebs-Schicksal löst Hilfswelle für Delmenhorster aus

Von Sonia Voigt | 21.06.2017, 10:41 Uhr

Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung und in einem Drittel der Fälle immer noch tödlich. Beim 35-jährigen Delmenhorster Simon ist die Krankheit schon im Endstadium.

Als Simon mit 34 Jahren die Diagnose Darmkrebs bekommt, ist sein Leben gerade im Aufbruch: Er ist Vater einer dreijährigen Tochter, mit seiner Frau Anna-Lena hat er drei Monate zuvor ein Haus für die kleine Familie gekauft. „In liebevoller Eigenarbeit wollten sie den Altbau in den nächsten Jahren sanieren“, sagt Holger Busse, Vorsitzender des Vereins „Lila Hoffnung – CED- und Darmkrebshilfe“, der hier nun einspringt. Denn Simon fehlen die Zeit und die Kraft: „Seine Lebenserwartung liegt voraussichtlich im Bereich von Monaten“, sagt Busse.

Tumore wachsen trotz Operationen und Chemotherapie

Eineinhalb Jahre Chemotherapie und drei schwere Operationen hat Simon hinter sich. Doch die Tumore wachsen, Therapien sind laut Busse „weitgehend ausgeschöpft“. Bauchschmerzen waren es, die den heute 35-Jährigen zum Arzt führten. Der Krebs hatte sich schon vom Darm auf Leber und Lunge ausgebreitet. Ein klassischer Verlauf: „Darmkrebs bleibt aufgrund der eher unauffälligen Symptome häufig unbemerkt. Wenn Symptome erkennbar sind, ist die Krankheit oft fortgeschritten“, erklärt Dr. Klaus Gutberlet, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Josef-Hospital Delmenhorst.

Fachmann rät dringend zur Früherkennung

Dringend rät der Gastroenterologe daher gerade Älteren zur Früherkennung. Stuhltests und vor allem Darmspiegelungen, die ambulant beim Facharzt erfolgen, zeigen schon Vorstufen von Krebs auf. Ab 50 beziehungsweise 55 Jahren übernehmen die Krankenkassen die Kosten. „Aber nur etwa 20 Prozent nutzen die Chance“, bedauert Dr. Gutberlet. Gerade bei älteren Erkrankten spiele auch die Lebensführung eine Rolle: „Darmkrebs ist von allen Krebsarten am ehesten durch Ernährung zu beeinflussen.“

Rund ein Drittel der Erkrankten stirbt an Darmkrebs

Beim erst 35-jährigen Simon ist die Lage aber anders. „Wenn junge Menschen an Darmkrebs erkranken, liegen häufig genetische Faktoren oder Zweitkrankheiten vor, etwa chronisch- entzündliche Darmerkrankungen“, ergänzt Dr. Gutberlet. Immer noch gelte: „Rund ein Drittel der erkrankten Menschen wird am Darmkrebs sterben.“

Arbeiten am Haus kosten Familienvater wertvolle Zeit

Simons Familie bleibt nur, die verbleibende gemeinsame Zeit zu nutzen. Für seine Frau Anna-Lena gab es dabei ein Hindernis: „Neben seinem Beruf als Polizist steckt Simon seine ganze Energie während der chemofreien Zeit in das Haus. Er sagt immer: Ich muss es für Euch fertig bekommen.“ Daher bat sie den Verein Lila Hoffnung um Hilfe, der vor einer Woche einen Spendenaufruf über die sozialen Medien verbreitete.

Welle der Hilfsbereitschaft macht sprachlos

Seitdem rollt laut Busse „eine Welle der Hilfsbereitschaft, die sprachlos macht“. Über 1100 Menschen teilten den Facebook-Aufruf. Dachdecker und andere Handwerker wollen mithelfen, Vereine werden aktiv, auch einen Benefiz-Lauf gab es schon. Gesten, die auch die kleine Familie in dieser sehr belastenden Zeit rühren.