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Vereinstreffen in Delmenhorst Arabische Frauen plädieren für bunte Gesellschaft

Von Jasmin Johannsen | 23.02.2019, 20:05 Uhr

Erstmalig fand am Samstag das Treffen des Vereins „Arabische Frau in Deutschland“ in Delmenhorst statt. Die Besucherinnen sprachen in der Markthalle über Integration, Kultur und Bildung.

„Unser Ziel ist es, eine Brücke zwischen den hier lebenden arabischen Frauen und der deutschen Gesellschaft zu schlagen.“ Und so stellte Alia Abukiwan dann auch beim 5. Treffen des Vereins „Arabische Frau in Deutschland“, das am Samstagnachmittag erstmalig in Delmenhorst veranstaltet wurde, Integrationsthemen in den Vordergrund. Die Vereinsleiterin hatte zusammen mit der Delmenhorsterin Yasmin Kunbus unter dem Motto „Zusammen für eine bunte Gesellschaft“ ein vielseitiges Programm mit Vorträgen, Gesprächsrunden aber auch Theater, Tanz und Gesang für die rund 150 Besucherinnen in der Markthalle vorbereitet.

Männer nicht erwünscht

Ganz unter sich konnten die Vereinsmitglieder und weiblichen Interessierten in einen Austausch kommen, denn Männer waren bei dem Zusammentreffen nicht erwünscht. Eine Ausnahme wurde nur für den Delmenhorster Oberbürgermeister gemacht. Axel Jahnz betonte in seiner Ansprache, wie wertvoll Integrationsprogramme dieser Art für das gesellschaftliche Zusammenleben seien. Dem schloss sich auch Kunbus an. „Uns ist es wichtig, dass die eingewanderten Frauen nicht nur zuhause sitzen“, betonte sie. Viel zu oft sei dies nämlich der Fall. Stattdessen müssten sie sich untereinander vernetzen, den Kontakt zu Deutschen suchen und das Selbstbewusstsein stärken, um eine aktive Rolle in der Gesellschaft spielen zu können.

An deutsche Sitten gewöhnen

„Das fällt in einem fremden Land aber nicht immer leicht“, berichtete Kunbus aus Erfahrung. Schließlich müsse frau sich erst einmal an deutsche Sitten und Regeln gewöhnen oder überhaupt über diese aufgeklärt werden. „Viele wissen gar nicht, was eine Hebamme oder ein Elternabend ist“, bemerkte Kunbus. Seit der Gründung im Jahr 2013 informiert der Verein in seinem eigenen Online-Magazin deshalb über Themen wie Kultur, Familie, Gesundheit, Bildung, Literatur und Wirtschaft. Im Zentrum stehe dabei auch immer die Aus- und Weiterbildung der Frauen und ihrer Kinder. Nicht nur die Sprache spiele bei der Vereinsarbeit eine große Rolle, sondern auch das Erlernen von handwerklichen Fertigkeiten. Die Ergebnisse präsentierten die Frauen sichtlich stolz auf dem „Markt der Möglichkeiten“. Dort wurden die kunstvollen Handarbeiten, Mosaike und selbstgemalten Bilder zum Verkauf angeboten.

Sprache bleibt wichtig

Der zweite Schwerpunkt des Vereins liegt auf der Arbeit mit arabischstämmigen Mädchen und Jungen in der „AD_Kid-Gruppe“. „Mit dem Alter verlernen einige Kinder die arabische Sprache“, berichtete Kunbus. „Das ist besonders schade, weil sie sich dann nur noch eingeschränkt mit Verwandten und Freunden in den Heimatländern unterhalten können.“ Ein wöchentlicher Sprachkurs, den der Verein deutschlandweit und auch in Delmenhorst veranstaltet, soll Abhilfe schaffen. Spielerisch werden die Mädchen und Jungen durch das Proben von Liedern und Theaterstücken wieder an die arabische Sprache herangeführt. Dass dieses Prinzip aufgeht, zeigte die „AD_Kid-Gruppe“ bei dem Treffen. Für die gesanglichen und schauspielerischen Darbietungen spendeten die Zuschauerinnen besonders viel Applaus. „Toll wäre es, wenn die Kinder Deutsch und Arabisch gleichermaßen gut beherrschen würden und sich problemlos durch beide Kulturen bewegen könnten“, befand Kunbus.