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Versöhnungsgottesdienst in Hasbergen Kirchen verpflichten sich zu mehr Zusammenarbeit

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 13.03.2017, 12:17 Uhr

In einem ökumenischen Versöhnungsgottesdienst in der Hasberger St. Laurentius-Kirche haben am Sonntagabend die Pfarrer Stephan Meyer-Schürg und Norbert Lach zu mehr Gemeinschaft zwischen beiden Konfessionen aufgerufen. Die Kirchenvertreter sprachen von einem Neuanfang, der noch in diesem Jahr gewagt werden solle.

„Wir verpflichten uns, wo immer es möglich ist, gemeinsam zu handeln“, sagte der lutherische Pfarrer Stephan Meyer-Schürg. Mit eindrücklichen Worten bekräftigten die beiden Pfarrer immer wieder den Willen beider Kirchen, sich zu mehr Miteinander zu bekennen. Der Gottesdienst war Teil einer Aktion der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland anlässlich des Reformationsjahres: Bundesweit wurde in ökumenischen Gottesdiensten zur Versöhnung aufgerufen, im Oldenburger Land fand dies am Sonntag an zehn verschiedenen Orten statt.

Rückblick auf tiefe Gräben zwischen Kirchen

„Wir wollen nicht vergessen, was wir einander angetan haben“, sagte Meyer-Schürg. Jahrhundertelang hätten die Kirchen lieber an der eigenen Profilierung gearbeitet und auf die Fehler des anderen hingewiesen, als Gemeinsamkeiten hervorzuheben. Mangel an Zuwendung zueinander und Respekt voreinander habe überwogen. Gewaltsame Auseinandersetzungen seien die Folge der Kirchenspaltung gewesen. „Dörfer wurden zerstört, Familien wurden zerrissen, wenn Mitglieder verschiedenen Konfessionen angehörten.“

Meyer-Schürg machte die Geschichte der Teilung des Christentums an der Historie der evangelisch-lutherischen St.-Laurentius-Kirche fest. Als eine ursprünglich katholische Kapelle wurde das Gotteshaus infolge der Reformation zu einer lutherischen Kirche. Zerstört im Dreißigjährigen Krieg bot sie später Katholiken Asyl, die wegen der wachsenden Industrie in Delmenhorst oder als Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hasbergen kamen. Als „Anfang eines guten Miteinanders“, bezeichnete Meyer-Schürg diese Öffnung in der Kirche an der Hasberger Dorfstraße.

Kreuz als Symbol für Versöhnung

„Wir wollen aus gemeinsamer Erinnerung Perspektiven entwickeln für das gemeinsame Miteinander“, bekräftigte der Katholik Norbert Lach aus Ganderkesee die Worte seines Kollegen. Christinnen beider Konfessionen trugen ein Kreuz als gemeinsames Symbol für die Versöhnung in die Kirche.

Trotz aller Versöhnungsabsichten bekannten sich die Pfarrer auch zu den noch heute existierenden Differenzen beider Glaubensrichtungen. „Noch immer finden wir keinen Weg, im eucharistischen Abendmahl unseren Glauben an Jesus Christus zu feiern“, sagte Meyer-Schürg und schloss sich inhaltlich den Worten seines ehemaligen Amtskollegen Joachim Gauck an. Der Bundespräsident sagte bei dem zentralen Versöhnungsgottesdienst am Samstag in Hildesheim: „Von hier und heute geht auch die Botschaft aus, dass weitere Schritte zu wagen sind.“

Kirchen als „gute Freunde“

Die gegenseitige Anerkennung der Taufe sei ein Schritt in die richtige Richtung, erkannte der katholische Priester Norbert Lach. „Eine neue Kultur des Dialogs ist möglich geworden“, befand sein lutherisches Gegenüber Stefan Meyer-Schürg, „ein Miteinander für die Menschen in einer Zeit, in der Glaube eine wichtige Stütze sein will.“ Vor rund 70 Gläubigen beider Konfessionen verkündeten die beiden Geistlichen die Ziele und appellierten an eine rasche Umsetzung von noch mehr Zusammenarbeit: „Mögen sich unsere Kirchen als gute Freunde bewegen lassen, einen neuen Anfang zu wagen – noch in diesem Jahr möglichst.“