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Versteigerungen für den Export Das zweite Leben von Delmenhorster Altautos

Von Thomas Breuer | 11.08.2017, 09:33 Uhr

Aus Delmenhorst in alle Welt: Das Autohaus Engelbart versteigert regelmäßig für den Export bestimmte Altfahrzeuge an professionelle Aufkäufer.

Manfred Engelbart will nicht diskutieren, sondern verkaufen. Das sagt er so auch und die Schar der Auto-Aufkäufer spurt. Das Ergebnis der Versteigerung kann sich sehen lassen: In 37 Minuten haben 50 von 53 angebotenen Alt- und Unfallfahrzeugen einen neuen Besitzer gefunden. In einem Fall für gerade 20 Euro, etliche aber auch für mehrere tausend Euro.

Mit 600 Euro bewertet, für 2200 Euro verkauft

Ausreißer, die den Chef im Ring selbst überraschen, eingeschlossen. Ein Toyota Corolla, vom Verkaufsteam mit 600 Euro bewertet, geht für satte 2200 Euro weg.

Wenn Manfred Engelbart, Herr über drei Autohäuser in Delmenhorst sowie zwei weitere in Oldenburg und Schortens, rund 20 Mal im Jahr zur Versteigerung einlädt, ist das kein öffentliches Ereignis. Um die zehn gewerbliche Händler schart er dann um sich, die aus dem Fundus auswählen, den die Autohäuser in den zurückliegenden Wochen in Zahlung genommen haben.

Privatleute ebenfalls anzusprechen, hat sich erübrigt, seit der Gesetzgeber gewerblichen Verkäufern für diese Art von Handel vor geraumer Zeit ohne Ausnahmen eine Gewährleistungspflicht auferlegt hat. Die Händler aber kaufen die Fahrzeuge wie gesehen und ohne Garantieansprüche. Einen Tag vor jedem Termin bekommen sie per E-Mail eine Übersicht mit alle wichtigen Daten in Kurzform.

Ein weitgehend unbekannter internationaler Markt

„Den Markt, auf den diese Fahrzeuge kommen, kennen wir in der Regel nicht“, sagt Engelbart. Sicher, das eine oder andere Auto wird vielleicht über einen Gebrauchtwagenhandel wieder in Delmenhorst angeboten, aber der Großteil geht von Bremen aus, im Container gestapelt, in fast alle Welt. Große Teile werden in den arabischen Raum überführt, andere in den russische Einflusssphäre oder nach Afrika. Nicht überall gibt es schließlich einen TÜV.

Wer sich als Aufkäufer derzeit noch auf einem angemieteten Gelände an der Steller Straße und künftig in der alten Halle hinter dem neuen Mazda-Autohaus an der Annenheider Straße einfindet, ist abgezockt, kennt seinen speziellen Absatzmarkt genau und sucht ohne Umschweife nach guten Gelegenheiten. Hier dabei zu sein, birgt für die Händler den großen Vorteil, diverse Fahrzeuge in kürzester Zeit an einem Ort zu erstehen. Was sie denn auch nutzen: Beim jüngsten Termin gingen gleich 16 Autos an eine Firma, 14 weitere an eine andere. Zwei Tage haben die Händler Zeit, nach Abwicklung aller Formalitäten ihre Einkäufe abzutransportieren.

„Händler wären sonst jeden Tag auf dem Hof“

Seit viereinhalb Jahren betreibt Engelbart die Versteigerungen und hält sie für einen sehr geeigneten Weg, die Altfahrzeuge zu veräußern. „Die Händler wären sonst jeden Tag bei mir auf dem Hof, um nach Neueingängen zu schauen“, sagt der 73-Jährige. Das wolle er nicht in seinen Betrieben. Außerdem sei so die Gefahr gebannt, dass Mitarbeiter gegen einen finanziellen Obolus verführt werden könnten, ihnen bekannte Aufkäufer umgehend über günstige Gelegenheiten zu informieren. Engelbart kennt die Gepflogenheiten der Branche.

Im vergangenen Jahr hat er durch die Versteigerungen 623 in erster Linie für den Export bestimmte Fahrzeuge aus all seinen Niederlassungen an den Mann gebracht. Im Durchschnitt erbrachten sie 2725 Euro, der Gesamtumsatz lag folglich bei knapp 1,7 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2017 waren es schon 341 Autos.

„Du musst alt sein, ein Mann und Chef“

Engelbart, der keine Neufahrzeuge mehr selbst veräußert, versteht die Versteigerungen nicht nur als gutes Geschäftsmodell, er hat auch Spaß daran. Angesichts der gewieften Händler, auf die er dort trifft, sieht der Unternehmer niemanden sonst im Betrieb, der die notwendigen Voraussetzungen mitbringen würde. „Du musst alt sein, ein Mann und Chef“, sagt er und lächelt. Nur auf Diskussionen, nachdem der Zuschlag erteilt ist, hat er keine Lust.