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Verwalter hat noch nicht gezahlt Gas-Sperre: Wollepark-Bewohner sind fassungslos

Von Thomas Breuer | 27.04.2017, 20:20 Uhr

Heizung und Wasser bleiben seit heute kalt. In der kommenden Woche wird über eine neue Wassersperre entschieden. Von dem Elend betroffen sind auch Familien mit vielen Kindern.

Die Stadtwerke haben ihre Ankündigung wahr gemacht: Seit heute, 8.30 Uhr morgens, sind rund 350 Menschen in den Wohnblöcken Am Wollepark 11 und 12 ohne Gas. Weil ihre Immobilienverwalter den Stadtwerken viel Geld für Gas und Wasser schulden, müssen die Bewohner bis auf Weiteres ohne Warmwasser und Heizwärme auskommen.

„Warum wollen sie in Delmenhorst keine Bulgaren?“

Zum Beispiel Antoaneta Borisova mit ihrem Mann und den sechs Kindern, darunter eine schwangere Tochter. „Wir haben immer alles bezahlt“, sagt die Bulgarin, die in diesen Tagen viele Fragen hat. „Warum wird uns das Gas abgestellt, obwohl wir nichts dafür können?“, fragt sie in gebrochenem Deutsch. „Warum wollen sie in Delmenhorst keine Bulgaren?“ Und mit Blick auf die zum Abriss freigegebenen Wohnblocks gegenüber: „Warum sollen hier alle weg?“

Verwalter in Plauen, Besitzer in Lörrach, Mieter in Delmenhorst

Von ihrem Verwalter in Plauen, der für die Wohnung im Besitz eines Ehepaars in Lörrach zuständig ist, habe sie darauf keine Antworten bekommen, sagt Borisova. Und auch keine Quittungen über viele erfolgte Zahlungen. 770 Euro, weist der im Dezember 2015 geschlossene Mietvertrag aus, sind als Warmmiete einschließlich 200 Euro Heizkostenvorschuss zu zahlen. Daran, so Borisova, habe man sich mit Unterstützung des Jobcenters gehalten. Ihr Mann arbeite derzeit für Mercedes in Bremen, seit drei Jahren lebe die Familie in Deutschland.

Video: Was wird aus den Wollepark-Blöcken 11 und 12?

Nächster Wasserstopp droht

Zusätzlich zum abgestellten Gas könnte es demnächst auch wieder zu einer Wassersperre für die Blöcke 11 und 12 kommen. An diesem Donnerstag ist am Landgericht Oldenburg der Widerspruch der Stadtwerke gegen die einstweilige Verfügung gegen den schon einmal verfügten Wasserstopp verhandelt worden. Der Stadtwerke-Anwalt legte dar, dass 50.000 Euro für Wasser und 65.000 Euro für Gas ausstehen. Dazu kommen noch Außenstände an die Stadt, etwa bei den Gebühren und Abgaben. Insgesamt deutlich über 200.000 Euro.

Immobilien-Verwaltung will gezahlt haben

Die zuständige Huchtinger Immobilien-Verwaltung legte dar, bereits 185.000 Euro gezahlt zu haben, an die Stadt. Etliche Beträge sind offenbar gepfändet worden. Ob dem Widerspruch stattgegeben wird, will das Gericht am 4. Mai verkünden.

Verwaltung erläutert mögliches Vorgehen

Seiten der Stadtverwaltung hieß es, bezüglich ausstehender Summen sei auch bis Freitagmittag kein Zahlungseingang zu verzeichnen gewesen. Zur Höhe von Außenständen machte sie keine Angaben. Pfändungsmaßnahmen kann die Verwaltung laut Rathaussprecher Timo Frers lediglich für eigene Gebühren, etwa Kanal- oder Straßenreinigungsgebühren, einleiten.

„Hierunter fallen keine Forderungen für Gas und Wasser“, sagte er. „Nach Begleichung der Schulden werden die Vollstreckungsmaßnahmen eingestellt. Ein eventueller Überschuss durch eine Pfändung würde auf jeden Fall an die Eigentümer zurückgezahlt, da die Stadt das Geld nicht – beispielsweise an die Stadtwerke – weiterleiten darf.“

Kaum Chance, neue Wohnung zu finden

Wie es mit ihrer Familie selbst weitergeht, Antoaneta Borisova weiß es nicht. Ihr Sohn habe sich am Mittwoch telefonisch um eine neue Wohnung für die Familie bemüht. Vergeblich. Acht Personen, alle aus Bulgarien, dazu die Wohnadresse „Am Wollepark“ – keine Chance.

Abriss der Wollepark-Blöcke 1 bis 5 in der Webcam verfolgen