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„Viagra“ für die Frau Lustpille für Frauen: Delmenhorster Ärzte sehen Bedarf

Von Frederik Grabbe | 22.08.2015, 09:50 Uhr

Ihr Wirkungsgrad ist eher gering, die Nebenwirkungen sind zahlreich. Dennoch machen Delmenhorster Frauenärzte einen Bedarf an einer Lustpille für die Frau aus.

Die Marktzulassung der Lustpille für die Frau, Flibanserin, stößt bei Delmenhorster Frauenärzten auf ein geteiltes Echo. Eine Meinung jedoch überwog bei einer Kurzumfrage: Wichtig sei es, zunächst die Wirkung des Medikaments abzuwarten, das seit Dienstag für den US-Markt zugelassen ist.

Prinzipiell eine gute Idee“

„Prinzipiell ist die Idee hinter dem Flibanserin eine gute“, sagt der Gynäkologie Dr. Heinrich Timm Eitmann. „Ich wäre froh, meinen Patientinnen etwas anbieten zu können, das ihnen weiterhilft.“ Der Nachteil des Medikaments: Es müsse ungleich zur punktuellen Verwendung von Viagra regelmäßig eingenommen werden. Erst nach vier Wochen soll ein Effekt spürbar sein. „Zudem zeigten Studien einen Erfolg von lediglich 30 Prozent.“

Der Bedarf ist da

Einen Bedarf für seine Patientinnen sieht Eitmann aber: Wöchentlich erhalte er mehrere Anfragen quer durch alle Altersgruppen, wie die weibliche Libido denn wieder zu steigern ist.

Der Frauenarzt Dr. Kurt Weber wird nach eigener Aussage von bis zu zehn Prozent seiner Patientinnen, vorwiegend kurz vor oder in ihrer Menopause, auf ausbleibende Lust angesprochen. Bis das Medikament den deutschen Markt erreiche, könne es jedoch Jahre dauern, schätzt Weber. Präzisere Angaben wolle er derzeit noch nicht machen.

Eine Therapie könnte schon helfen

Beide Ärzte warten nun Erfahrungen aus den USA ab – vor allem, was die Nebenwirkungen betrifft: Laut Eitmann kann das Antidepressivum, das in den Hormonhaushalt eingreift, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Verstopfung oder Ohnmacht auslösen. Weber rät indes: „Man sollte zuerst eine Psychotherapie oder eine Paarbehandlung in Angriff nehmen. Vielleicht hat das ja schon eine Auswirkung.“ Alternative Behandlungen, ob homöopathisch oder durch Psychotherapie, sei laut Eitmann aber weitestgehend erfolglos geblieben.