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Video-Kunst Zwei neue Ausstellungen in der Städtische Galerie Delmenhorst

Von Marco Julius | 22.11.2018, 16:52 Uhr

Mit Jean-François Guiton und dem finnischen Duo IC-98 holt Galerie-Leiterin Annett Reckert international renommierte Künstler nach Das Thema Zeit bestimmt dabei die Doppel-Ausstellung.

Humor und Endzeitstimmung, Charmeoffensive und Menschenfeindlichkeit: Der renommierte Videokünstler Jean-François Guiton, 65, geboren in Paris, vereint das ganz mühelos in seiner Person – und in seinem Werk. Der Meisterschüler von Fritz Schwegler, der als Professor an der Hochschule für Künste Bremen selbst viele Künstlergenerationen geprägt hat, hat 15 frühere und aktuelle Video-Werke für die Ausstellung „Immer wider“ ausgewählt und dabei auch die räumlichen Vorgaben des Hauses Coburg genutzt, eines Hauses, das eigentlich eher nicht für Videoinstallationen gemacht ist, wie Galerie-Leiterin Annett Reckert gern gesteht. Diese Zuschreibung kann sie ruhigen Gewissens machen, denn Jean-François Guiton ist es gelungen, sich das Haus zu Nutze zu machen.

Zeit als bestimmendes Thema

Zeit ist ein beherrschendes Thema des Werke Guitons, vor allem die, so sagt er selbst, „vergebliche Bemühung, im Leben weiter zu kommen“. Bei allem Fortschrittsglauben: „Man bleibt – verdammt noch mal – auf der Stelle stehen.“ Seine durchaus pessimistische Weltsicht, die auch zu einem anti-utopischen Ansatz führt, wie im Obergeschoss des Hauses Coburg erlebbar wird, hindert den Franzosen mit dem charmanten Akzent nicht daran, die Welt – und vor allem sich selbst darin – immer wieder humorvoll zu betrachten. Auch das wird in den Video-Installationen sichtbar. Guitons Installationen haben dabei keinen Anfang und kein Ende, er arbeitet mit Loops. Und Zeit ist dabei nicht nur ein Begriff, dem er sich nähert. Zeit ist auch etwas, was Besucher der Ausstellung mitbringen sollten, um ganz abzutauchen. „Jede einzelne Arbeit regt an, nach den Bedingungen unseres Seins zu fragen, dabei vor allem nach der Zeit als bestimmendem Faktor“, sagt Annett Reckert. Eine Frage, die sich auch in der zweiten Ausstellung stellt, die am Freitag, 23. November, eröffnet wird.

Finnisches Künstlerduo zu Gast

In der Remise ist dann ein Projekt des international bekannten finnischen Künstlerduos IC-98 zu sehen. „A View from the Other Side“ zeigt in 71 Minuten eine Metamorphose eines neoklassischen Gebäudes im Zentrum der finnischen Stadt Turku. Verbunden mit einer eigens für den Film, der eine Animation aus aberwitzig vielen Schwarz-Weiß-Zeichnungen ist, komponierten Orgelmusik erschließt sich dem Betrachter, der sich einlassen muss auf eine Langsamkeit, die in der schnelllebigen Moderne besondere Aufmerksamkeit erfordert, eine ganz eigene, fast verzaubert-meditative Welt.