Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Viel Langeweile im Kleinen Haus Komödie am Kurfürstendamm enttäuscht in Delmenhorst

23.11.2015, 11:04 Uhr

Schwaches Stück, hilflose Regie: Stefan Vögels Komödie „In alter Frische“enttäuscht auf nahezu allen Ebenen.

Was nur hat die „Komödie am Kurfürstendamm“ dazu bewogen, ausgerechnet mit diesem Stück auf Tournee zu gehen? Dem Besucher des Gastspiels der Berliner im Kleinen Haus mochte es sich am Sonntagabend nicht erschließen.

Denn Stefan Vögels Komödie „In alter Frische“ lässt so ziemlich alles vermissen, was gutes Boulevard-Theater sonst auszeichnet: witzige Dialoge, überraschende Wendungen, pointierte Aussagen. Statt dessen „zelebriert“ der Autor in diesem Stück letztlich nur Langeweile auf der Bühne, zeigt dem Publikum eine Mischung aus Zweckgemeinschaft und Freundschaft von fünf Nachbarn in einer Seniorenresidenz, die sich einmal wöchentlich beim „Trivial-Pursuit“-Spiel im Appartement des Ekels und ehemaligen Schulleiters Ludwig von Schwitters (Walter Plathe) auf wenig unterhaltsame Weise in die Haare kriegen. Erst, als mit der Essenslieferantin Paula (Joanna Semmelrogge) auf hanebüchene Weise eine minder privilegierte Privatschülerin in das Leben von Schwitters tritt, lässt dieser sporadisch sympathische Züge erkennen und entfaltet sich dem Zuschauer die – wenn auch zähe – Geschichte vom geläuterten Alten: jetzt gilt es, dem Mädchen, einer Art Ersatz für die vergraulte Tochter, zu einem ordentlichen Schulabschluss zu verhelfen.

Auch Hauptdarsteller Walter Plathe enttäuscht

Bitter aber bleibt für das Publikum, dass offenbar auch der Regisseur des Abends, Marcus Ganser, nicht viel mit diesem Stück anzufangen weiß. Von Beginn an sind seine Figuren allzu schnell auf 180. Insbesondere der bekannte Fernsehschauspieler Walter Plathe bleibt mit seinem holzschnittartigem Wüterich-Spiel bis zuletzt eine herbe Enttäuschung. Die übrigen Schauspieler haben in diesem, voll und ganz auf Egozentriker von Schwitters zugeschnittenem Stück kaum eine Chance, um ihren Rollen mit Profil auszufüllen, schlagen sich dafür aber wacker, wenn auch vieles – dem schwachen Stück und der hilflosen Regie geschuldet – reichlich aufgesetzt wirkt.

Die Unmutsbekundungen mancher Zuschauer in den Pausengesprächen ließen sich nicht überhören. Gleichwohl applaudierten am Ende die meisten Gäste im etwa halbvollen Kleinen Haus dann doch pflichtbewusst.