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Vielseitiger Mime Mitternacht prägt kulturelles Leben in Delmenhorst

Von Marco Julius | 09.11.2015, 18:05 Uhr

Jens Ullmann lässt seinen bürgerlichen Namen hinter sich. Als Johannes Mitternacht mischt er aber weiterhin munter mit im Kulturleben.

Der Mann hat aktuell viel um die Ohren, eigentlich müsste es ihn zweimal geben, damit er alle Projekte und Ideen verwirklichen kann. Und irgendwie gibt es ihn auch zweimal. Die Rede ist von Johannes Mitternacht. Und die Rede ist von Jens Ullmann. Schauspieler, Rezitator, Theaterpädagoge, Regisseur, Autor, Kulturförderer, Kirchenältester. Jens Ullmann ist Johannes Mitternacht.

Als Luther oder Tucholsky

„Eine Zeit lang hielt ich es für eine gute Idee, meine bürgerliche Existenz sowie mein ehrenamtliches Engagement und meine künstlerische Arbeit mit einem Künstlernamen voneinander zu trennen. Die Praxis hat allerdings gezeigt, dass dies eher zu Irritationen führt“, sagt Johannes Mitternacht. Und deshalb steht Mitternacht jetzt auch ganz offiziell im Ausweis, als Künstlername. „Schließlich ist Johannes Mitternacht keine Kunstfigur, die sich großartig von meiner Person unterscheidet, sondern lediglich der Name, der meiner kreativen Persönlichkeit einen sehr passenden und auch zunehmend bekannten Namen verleiht“, sagt der 47-Jährige, der zuletzt gekonnt für Auftritte in die Haut Martin Luthers oder Kurt Tucholskys geschlüpft ist.

Der Name ist amtlich

Seit August ist Mitternacht sozusagen amtlich, für seine Texte und Auftritte hat der gebürtige Delmenhorster den Namen schon seit März 2001 genutzt. „Viele sprechen mich nur noch so an“, sagt Mitternacht, auch wenn seine Mutter ihn als Jens zur Welt gebracht habe und auch dabei bleiben wolle und dürfe, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Der Künstlername ist übrigens im Gespräch mit Kollegen der Nachtwache entstanden, eher beiläufig. „Aber der Name passte“, sagt Mitternacht. Als Krankenpfleger hat er damals gearbeitet, in einem Beruf, den er seit Mitte 2013 ruhen lässt, um sich ganz seinem künstlerischen Schaffen widmen zu können. „Eine Rückkehr ist aber nicht ausgeschlossen“, sagt der Mime, wohlwissend, dass es in der heutigen Zeit schwierig ist, als freischaffender Künstler sein Auskommen zu haben.

Frühe Liebe zur Kultur

Kunst und Kreativität hat Mitternacht schon früh für sich entdeckt. „Das ging mit Marionettentheater als Kind los“, erinnert er sich. Super-8-Filme folgten, erste Theatergruppen an der Schule. „Als Schüler war ich eher schüchtern, auf der Bühne aber bin ich aufgeblüht.“ Als Klassensprecher macht er 1987 Abi am Willms. Eine Form von Schüchternheit, das Lampenfieber, ist ihm bis heute geblieben. „Kurz vor einem Auftritt, da denke ich manchmal: Warum tust Du Dir das an?“. Es sei wie in der Achterbahn, wenn es zunächst immer höher gehe, es einem mulmig werde, „dann mit Volldampf hinab und es kommt doch das Glücksgefühl“.

Studium in Bochum

Der Zivildienst hat ihn dazu gebracht, Krankenpfleger zu werden, die Liebe zur Kunst führte ihn dann zum Studium nach Bochum, eine echte Theaterstadt. Theaterwissenschaften, Publizistik, Kommunikationswissenschaften, Rüstzeug eben. Als echtes Nordlicht aber zieht es ihn dann doch zurück nach Delmenhorst. Eine Stadt, die ihm noch heute viel gibt. Und der er stets etwas zurückgeben möchte. Als Kirchenältester der Stadtkirchengemeinde zum Beispiel. „Mich reizt die Aufgabe, in dieser Funktion an der Sanierung meiner Taufkirche mitwirken zu können, auch aus kunstgeschichtlichem Interesse.“

Viele Pläne für 2016

In vorderster Reihe ist er auch im KulturKreis Delmenhorst tätig, hat jetzt ganz wesentlich bei der Vorbereitung der Nacht der Jugend geholfen, die am Freitag in Rathaus und Markthalle lief. Und Pläne schmiedet er auch noch. „Ein Soloprogramm mit eigenen Texten schwebt mir vor“, sagt der wortgewandte Mitternacht. Die Hälfte sei schon fertig. Auch mit Texten von Heinz Erhardt und Robert Gernhardt möchte er auf die Bühne. Und als Shakespeare will er 2016, dem Shakespeare-Jahr, auch wieder zum Graftspaziergang einladen. Irgendwie hat Mitternacht wohl tatsächlich Energie für zwei. Auch wenn der Ullmann jetzt Geschichte ist.