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Villa Kaufmann unter Denkmalschutz Ein Haus voller Delmenhorster Stadtgeschichte

Von Marco Julius | 18.07.2016, 19:58 Uhr

Das Ehepaar Hella und Hagen Möller hat die Villa Kaufmann aus dem Dornröschenschlaf geweckt und vor dem Verfall gerettet. Jetzt steht das über 130 Jahre alte Haus unter Denkmalschutz.

Es ist bei jedem Satz zu spüren, dass Hella und Hagen Möller ihren Traum leben. Ihren Traum von einem Wohnhaus, das viel mehr ist als ein ordentliches Dach über dem Kopf. Im Jahr 2009 haben die Möllers die Villa Kaufmann an der Stedinger Straße erworben. Bezugsfertig war das Haus, das im Jahr 1895 errichtet wurde, damals beileibe nicht. Es war eher reif für den Abriss. Die Möllers haben sich damals eine Villa gekauft und eine Lebensaufgabe dazu erhalten. „Wir wollten das Haus wieder herrichten und alles 1:1 ersetzen, damit der Charakter des Hauses erhalten bleibt“, sagt Hagen Möller. In der Villa, ein Juwel aus der Gründerzeit, hat einst die Familie Kaufmann gewohnt, eng verwoben mit der Geschichte der Deutschen Linoleum-Werke und mit der Linoleum-Fabrik Hansa, die 1926 zusammen mit den Werken Anker und Schlüssel aus Delmenhorst zur DLW zusammengeführt wurde.

Mit Liebe zum Detail

Die Möllers mussten das Haus nach dem Kauf erst einmal freilegen. Vieles war zugewachsen, vieles in desolatem Zustand, weil Jahrzehnte nichts mehr gemacht worden war. „Das war zugleich unser Glück, denn so konnten wir den Originalzustand erkennen und wieder herstellen“, sagt der neue Hausherr. Liebevolle Arbeit war vonnöten, großer Aufwand, detailversessen haben sich die Möllers ans Werk gemacht.

Hagen Möller, leidenschaftlicher Kunstsammler, will es nicht einfach nur schön haben, er will das Bewusstsein für die besonderen Gebäude an der Stedinger Straße wieder wecken. Drei Villen sind es, dazu kommen sechs Beamtenhäuser. „Ein für Delmenhorst einmaliges Ensemble“, schwärmt Hagen Möller. Für sein Haus hat er Denkmalschutz beantragt – und mit viel Aufwand jetzt bewilligt bekommen. Ein durchaus ungewöhnlicher Schritt für einen Eigentümer, muss er doch jetzt jede bauliche Veränderung absprechen und genehmigen lassen. Aber Möller denkt in die Zukunft, will das Schöne bewahren. Möller verweist auf den Bremer Stadtteil Schwachhausen. Dort stehen viele Wohnimmobilien aus dem späten 19. Jahrhundert, die zwar lange zu Spottpreisen gehandelt worden seien, denen man aber einen inzwischen kulturhistorischen Rang beimesse – und die heute preislich hoch im Kurs stehen.

Haus steht Besuchern offen

Als die Möllers 2009 aus Bremen nach Delmenhorst kamen, hatten sie durchaus Vorbehalte gegen die Stadt. Mittlerweile aber fühlen sie sich wohl, loben die kurzen Wege, das Grün und die durchaus vorhandene schöne Architektur. Ihr Haus öffnen sie regelmäßig für Kulturfreunde, es ist ihnen wichtig, das viele teilhaben können an ihrem Wohnglück. „Unser Haus steht immer offen“, sagt Hagen Möller, der sich freut, dass sich Delmenhorst in den vergangenen Jahren sehr entwickelt habe. Eine Entwicklung erhofft er sich nun beim Bewusstsein für die Geschichte Delmenhorsts. So macht er sich auch für den Wiederaufbau der Rathaus-Arkaden stark. Einen weiteren Wunsch hat er auch noch: „Wir brauchen in dieser Stadt Politiker mit einem Sinn für Kultur.“