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Volkstrauertag in Delmenhorst „Opfern des Krieges einen sicheren Ort bieten“

Von Jan Eric Fiedler | 15.11.2015, 14:59 Uhr

Dr. Kerstin Elbing von terre des hommes warf bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Delmenhorst einen Blick auf das Schicksal von Kindern in bewaffneten Konflikten. Oberbürgermeister Axel Jahnz betonte die Wichtigkeit der Erinnerung.

Vor der Gedenkstunde in der Markthalle wurden am Mahnmal auf den Rathausplatz Kränze niedergelegt.

„Haben gezeigt, wie eine bunte Gesellschaft funktioniert“

70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist es umso wichtiger, die Erinnerungen an die Opfer als Mahnung für den Frieden zu sehen, betonte Oberbürgermeister Axel Jahnz, der auch Vorsitzender des Delmenhorster Kreisverbandes im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist. Zuvor hatte es eine Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge von Paris gegeben. „Unsere Bürgerinnen und Bürger verurteilen die Taten auf das Schärfste und stehen mit Abscheu vor den Mördern, deren Motiven und Feigheit“, sagte Jahnz.

Antisemitismus und Ausgrenzung seien auch leider heute noch allzu gegenwärtig. „Gerade in Delmenhorst haben wir aber gezeigt, wie eine bunte und offene Gesellschaft funktioniert“, sagte Jahnz und erinnerte an die Verpflichtung, den Menschen einen Ort zu bieten, an dem sie sicher vor Verfolgung und Gewalt sind.

90 Prozent der Kriegsopfer sind Zivilisten

Hauptrednerin war Dr. Kerstin Elbing vom Kinderhilfswerk terre des hommes. Sie warf einen Blick auf das Schicksal von Kindern in bewaffneten Konflikten. Zivilisten würden zunehmend zwischen die Fronten geraten. Seien Anfang des 20. Jahrhunderts noch überwiegend Soldaten betroffen gewesen, seien mittlerweile 90 Prozent der Todesopfer bewaffneter Konflikte Zivilisten.

Posttraumatische Belastungsstörungen bei Kindern

Kinder seien besonders betroffen und gefährdet. Dazu zählten nicht nur die rund 250000 Kindersoldaten weltweit, sondern alle Kinder, die Gewalt und Unrecht erfahren. Ein großer Teil der Kinder aus Krisengebieten leide unter posttraumatischen Belastungsstörungen, auch viele der der hier ankommenden Flüchtlinge.

Diese zu lindern sei eines der wichtigsten Ziele von terre des hommes. Zum Abschluss ihrer Rede warf sie entsprechend die Frage auf, wie eine Integration gelingen soll, wenn es nicht geschafft wird, die Kinder von den Erlebnissen ihrer Vergangenheit zu lösen.

Thölstedt spricht Totengedenken

Den Abschluss der Gedenkstunde bildete das von Bürgermeister Hermann Thölstedt gesprochene Totengedenken. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Posaunenchor des ev.-luth. Kirchenverbandes Delmenhorst unter der Leitung von Holger Heinrich.