Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Vor 175 Jahren: Arthur Fitger geboren Mit polemischen Verrissen gegen die neue Zeit

Von Dirk Hamm | 10.10.2015, 18:37 Uhr

Ein Straßenname und ein Gebäude erinnern in Delmenhorst an Arthur Fitger. Der avantgardistischen Stilen abholde Künstler wurde vor 175 Jahren geboren.

Eine schlichte Geburtsanzeige im Delmenhorster Kreisblatt verkündete am 9. Oktober 1840 die Ankunft eines neuen Erdenbürgers: „Heute Morgen, am 4. d. M., wurden wir durch die Geburt eines gesunden, kräftigen Knaben hoch erfreut.“ Gezeichnet wurde die Annonce mit „Fitger und Frau“.

Bei dem Ehepaar handelte es sich um den Posthalter und Gastwirt Peter Diedrich Fitger und dessen Ehefrau Clara. Niemand konnte vor 175 Jahren ahnen, dass mit der Anzeige die Geburt eines der berühmtesten Söhne Delmenhorsts bekannt gegeben worden war: Arthur Fitger. Als Historienmaler und Dichter sollte er sich ab den 1870er Jahren weithin einen Namen machen. Da hatte der junge Künstler seinen Lebensmittelpunkt aber schon nach Bremen verlagert, wo er auch am 28. Juni 1909 verstorben ist.

Großer wirtschaftlicher Erfolg, aber nur geringer Nachruhm

In keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Erfolg als Maler und zum hohen Bekanntheitsgrad unter seinen Zeitgenossen steht der künstlerische Nachruhm des in der Postmeisterei an der Stelle des heutigen Neuen Fitgerhauses Aufgewachsenen – so fällt die Einordnung von Fitgers Werk durch die Expertin aus: „In der Kunstgeschichte ist er ins Hintertreffen geraten, zu einer Marginalie geworden“, erklärt Annett Reckert, Leiterin der Städtischen Galerie Haus Coburg. Dort zählt Fitger zu den „Hauskünstlern“: Zur Sammlung der Galerie gehören rund 160 Werke des Malers, sie bilden einen der drei Sammlungsschwerpunkte des Hauses.

Als bevorzugter Auftragsmaler der wohlhabenden Kaufmanns- und Bürgerschicht in der Hansestadt Bremen war Arthur Fitger sehr erfolgreich. Bald führten ihn die künstlerischen Aufträge in andere Metropolen von Hamburg bis Frankfurt und Berlin bis Antwerpen. Zugleich haftete ihm mit seinen wandfüllenden und farbenprächtigen Gemälden, die sich immer wieder bei historischen und mythologischen Themen bedienten, in Zeiten des Aufbruchs vieler Künstler zu neuen Ausdrucksformen etwas Gestriges, Rückständiges an.

Fitger machte auch als Dichter und Kritiker auf sich aufmerksam

Dabei war Fitger laut Annett Reckert ein „produktiver, wacher Geist, der sich in die Gegenwart eingebracht und seine Meinung lautstark vertreten hat“. Der mehrfach Begabte machte auch als Dichter und Kritiker auf sich aufmerksam. In Bremen besaß sein Wort hohes Gewicht, und der Vorsitzende des dortigen Kunstvereins nahm Einfluss auf den eher konservativen Kunstgeschmack des Bremer Publikums. In polemischen Verrissen legte sich Fitger mit den Vertretern der Worpsweder Künstlergemeinschaft an. Während Protagonisten einer neuen Zeit wie Paula Modersohn-Becker jedoch einen bedeutenden Platz in der Kunstwelt einnahmen, verblasste der Ruhm Arthur Fitgers zunehmend.

Wie weit die künstlerischen Positionen Fitgers und der Worpsweder Avantgarde auseinanderlagen, möchte Annett Reckert mit einer für 2017 geplanten Doppelausstellung mit Werken von Fitger und Fritz Overbeck verdeutlichen: „Wir lassen beides aufeinanderprallen – Overbeck als Vertreter der klassischen Moderne und Fitger, der in seinem konservativen Stil verharrte.“