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Vor 60 Jahren: „BN 89“ abgelöst Kennzeichen „DEL“ stiftete ab 1956 Identität

Von Dirk Hamm | 25.06.2016, 13:30 Uhr

Sie beginnen mit einer Kombination aus drei oder zwei Buchstaben, und wenn es sich um eine Großstadt handelt, oft auch nur einem einzigen: die an mehr als 50 Millionen Fahrzeugen auf Deutschlands Straßen prangenden Kennzeichen.

Viele Menschen messen ihnen einen hohen identitätsstiftenden Wert zu, verbinden mit dem sogenannten Unterscheidungszeichen, also dem vorderen Buchstabenkürzel, oftmals ein Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Heimatregion. Aus dem Delmenhorster Stadtbild ist das Kürzel „DEL“ nicht wegzudenken.

Eingeführt wurde dieses uns heute so vertraute Kennzeichen vor 60 Jahren: Am 1. Juli 1956 trat ein neues, im Grundsatz bis heute geltendes System der Kennzeichnung von zugelassenen Kraftfahrzeugen in Kraft. Viele ältere Bürger werden sich noch an das Erscheinungsbild der bis dahin gültigen Nummernschilder erinnern: Genau umgekehrt zu der heutigen Praxis leuchteten Buchstaben und Ziffern in weißer Schrift auf schwarzem Grund.

Vorgänger-Kennzeichen nur acht Jahre gültig

Diese Kennzeichen wiederum waren gerade einmal acht Jahre gültig. Denn ab Anfang 1948 hatten die alliierten Siegermächte in den vier Besatzungszonen ein einheitliches System der Kennzeichen-Vergabe eingeführt. Zwei Buchstaben waren der jeweiligen Zone und dem dazugehörigen Land zugeordnet. So stand „AB“ beispielsweise für „Amerikanische Zone Bayern“.

Delmenhorst gehörte zur britischen Besatzungszone und zum neu gebildeten Land Niedersachsen. Folglich waren an den – bedeutend spärlicher als heute auf den Straßen zu erblickenden – Autos schwarze Nummernschilder mit der Buchstabenkennung „BN“ befestigt. Danach folgte eine Zahlenkombination als Schlüssel für die Städte- und Gemeindekennung. Delmenhorst behielt dabei die Nummer 89, die die Bürger schon von den hellblauen Kennzeichen aus den ersten Nachkriegsjahren kannten.

„DEL“ auch abseits der Straße von Bedeutung

Ab 1956 galt nun für die Delmestadt die Kennung „DEL“. Eine Buchstabenfolge, die hier und da auch außerhalb der Welt des Kraftfahrzeugwesens Verwendung fand. Etwa 1974/75, als die Gegner einer damals im Raum stehenden Eingliederung Delmenhorsts in den Kreis Wesermarsch und des damit einhergehenden Verlusts der Kreisfreiheit das „DEL“ geschickt in ihren Slogan „DELmenhorst muss kreisfrei bleiben“ einbanden. Und in guter Erinnerung ist noch die jährliche Leistungsschau, die unter dem Motto „DEL ist Spitze“ stand.

Delmenhorster Kennzeichen-Sammler vom Vater inspiriert

Nostalgie lösen die 1956 abgelösten schwarzen Kennzeichen mit weißer Schrift bei Dieter Kuls aus. Der Delmenhorster hat sich über viele Jahre privat dem Sammeln von Kennzeichen verschrieben. Beflügelt wurde diese Leidenschaft des 63-Jährigen nicht zuletzt durch seinen Vater, der in der heimischen Werkstatt seine eigenen Nummernschilder sammelte, erzählt Kuls: „Die alten Schilder hat er sich an die Wand genagelt.“

Das Kennzeichen „DEL-J 333“ des ersten Autos seines Vaters, eines DKW Cabrio F 89, befindet sich heute im Besitz des Sohnes. Ebenso wie das eine oder andere Schätzchen aus der Zeit, bevor „DEL“ tausendfach auf Delmenhorsts Straßen Einzug hielt.