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„Vor dem Jungen zollen wir größten Respekt“ Erster Flüchtling in Delmenhorster Feuerwehr

Von Frederik Grabbe | 31.08.2016, 12:21 Uhr

Ein Flüchtling in der Feuerwehr? Geht das? Die Vorbehalte der Kameraden der Ortsfeuerwehr Stadt haben sich schnell abgebaut, seitdem Janrasul Jamali (17) Mitglied ist. Er beweist: Ein Flüchtling in der Feuerwehr? Das geht sehr wohl.

In Afghanistan konnte er nie eine Schule besuchen und hatte auf dem Hof seines Stiefvaters anzupacken, in Delmenhorst ist Janrasul Jamali (17) auf dem besten Wege, freiwilliger Feuerwehrmann zu werden.

Prüfung durch oberste Aufsichtsbehörde

Immer dienstags um 19 Uhr ist der erste Halbzug der Ortsfeuerwehr Stadt Jamalis zuhause. Zumindest für kurze Zeit. Im Juni ist er in die Feuerwehr eingetreten und steht kurz vor der Truppmannausbildung. Wenn es nach Jamali gegangen wäre, hätte es ruhig schneller gehen dürfen. „Oh, das wird nicht einfach“, erinnert sich Lars Proschka von der Delmenhorster Jugendhilfestiftung an die Worte des stellvertretenden Ortsbrandmeisters Florian Nicolaysen. Proschka ist Erzieher, der Afghane Jamali lebt seit 10 Monaten als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in den Räumen der Stiftung am Winterweg. Nach seiner ersten Sicht der deutschen Feuerwehr war für Jamali klar: Da will ich mitmachen. Proschka vermittelte den Kontakt zu Nicolaysen. Dieser allerdings musste erst mit der obersten Aufsichtsbehörde, dem Innenministerium, abklären, ob ein Flüchtling in die freiwillige Feuerwehr darf. Nach fünf Monaten war klar: Jamali darf.

Der Traum: Berufsfeuerwehrmann werden

„Für mich ist das eine gute Arbeit. Ich möchte anderen Menschen helfen, dann bin ich glücklich“, sagt Jamali in gebrochenem Deutsch. In einer Alphabetisierungsklasse der BBS II lernte er, der in seiner Muttersprache Paschtun zu schreiben von Freunden beigebracht bekam, wie er sagt, erst das lateinische Alphabet, seit sieben Monaten paukt er Deutsch in einer Sprachlernklasse der BBS II. Sein Traum: Berufsfeuerwehrmann werden. Aber: Der Weg ist noch lang für den 17-jährigen Asylbewerber. Er bräuchte einen deutschen Pass, mindestens einen Realschulabschluss und eine handwerkliche Ausbildung. Dass seine Zukunft in Deutschland liegt, ist für Jamali aber klar. „In Afghanistan gibt es keine Zukunft für mich.“ (Weiterlesen: Themenportal Flüchtlinge in Delmenhorst)

„Vor dem Jungen zollen wir größten Respekt“

Einen Platz in der Ortsfeuerwehr Stadt hätte er auf jeden Fall sicher. „Ein Flüchtling in der Feuerwehr? Kann der denn genügend Deutsch?“, seien laut Ortsbrandmeister Axel Sanders anfangs die Bedenken der Kameraden gewesen. Diese seien aber von der Motivation des Afghanen restlos hinweggefegt worden. „Er ist ein Mann der Tat und macht einfach. Jamali versteht Handlungsabläufe sehr schnell und packt dann an“, sagt Sanders. Und überhaupt: Jamali sei dabei, sich in einen eigenen Kulturkreis mit Feuerwehrleuten, mit einer neuen Sprache und in ein Umfeld mit techniklastigen Begriffen einzufügen. Sanders: „Vor dem Jungen zollen wir größten Respekt.“ (Weiterlesen: Flüchtlinge im Arbeitsmarkt: „Stehen vor großer Herausforderung“)