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Vor Ort verankert Delmenhorster Buchhandel ruft zum Umdenken auf

Von Thomas Breuer | 14.12.2017, 10:24 Uhr

Im Wettbewerb mit Amazon & Co. sieht sich der Delmenhorster Buchhandel gut aufgestellt. Die Botschaft an die Kunden lautet: „Wir können das genauso.“

„Wir können das genauso wie Amazon – und wir haben die Beratungskompetenz“, sagt Iduna Tiedemann. Die Filialleiterin der Buchhandlung Decius appelliert an die Kundschaft, beim Kauf weihnachtlicher Buchgeschenke kurz abzuwägen, wohin das ausgegebene Geld fließt. Im Gegensatz zu Internet-Riesen sei ihre Filiale „ein eigenständiger Buchladen, der seine Steuern hier zahlt“.

Schon zehn Prozent laufen über Online-Shop

Zudem einer, der über 20.000 Titel, die der Buchpreisbindung unterliegen, vorrätig hat und auch den Service der Online-Bestellung bietet. „Mehr als zehn Prozent des Geschäfts laufen schon über den Shop“, sagt Tiedemann. Im Regelfall nach dem Muster: Heute bestellt, morgen im Geschäft abholbereit. „Der persönliche Kontakt ist die große Chance gegen die Abwanderung ins Internet“, ist die Filialleiterin überzeugt. „Ein Einkaufserlebnis mit allen Sinnen schafft treue Kunden.“ Alternativ werden die online bestellten Bücher auch kostenfrei zum Kunden geschickt.

15 Jahre ist Decius inzwischen in Delmenhorst, seinerzeit gekommen, um die Lücke zu füllen, die durch die Insolvenz von Horstmann und Ludwigs entstanden war. Auch in puncto Lesungen und Leseförderung sieht man sich schon lange gut aufgestellt.

Mehr Komfort seit einigen Jahren

Fünf Jahre ist Sabine Jünemann mit ihrer gleichnamigen Buchhandlung in der Innenstadt präsent. Sie wagte die Existenzgründung kurz nachdem ihr Arbeitgeber, die Buchhandlung Ruppert, die Türen geschlossen hatte. Den Komfort, Bücher vom heimischen Sofa online ordern und am nächsten Tag abholen zu können, bietet sie seit vier Jahren. „Das wird zunehmend genutzt“, sagt Jünemann. Wer es nach Hause geschickt haben möchte, muss allerdings für das Porto aufkommen.

Jünemann sagt: „Ich möchte natürlich an meinen Kunden verdienen. Dafür zahle ich hier meine Steuern.“ Letzteres gilt auch für ihre inzwischen drei Teilzeitkräfte. Als ortsansässige Unternehmerin leistete sie letztlich auch ihren Beitrag zur neuen Winterbeleuchtung. Lesungen und andere kulturelle Angebote sowie Kooperationen mit Schulen sind weitere Aktionen, die der Buchhändlerin am Herzen liegen.

„Wir sind keine Algorithmen“

„Wir sind keine Algorithmen, sondern Menschen, die Bücher gelesen haben und kennen“, umreißt Udo Mroczek von Lesezeichen Dauelsberg seine Sicht auf die Vorteile einer stationären Buchhandlung. Der Kunde könne sich nicht nur von Angesicht zu Angesicht beraten lassen, sondern auch jedes Buch selbst in die Hand nehmen. „Gerade vor Weihnachten gibt es sehr schöne Ausgaben, die in der Hand ganz anders wirken, als wenn ich nur ein Bild sehe“, sagt Mroczek.

Dabei hat er durchaus eine große Affinität zum Online-Geschäft, das er für die Lesezeichen-Gruppe verantwortet. „Das hat sich in den letzten Jahren auch bei uns deutlich entwickelt“, sagt Mroczek, „gerade die Bestellung über den Online-Shop mit anschließender Abholung.“ Wer es noch bequemer möchte, kann bei Lesezeichen online bestellen und erhält alle Bücher oder Sendungen, die Bücher beinhalten, gratis frei Haus. „Seit Oktober versenden wir versandkostenfrei“, sagt er.

Einen Abend lang allein im Buchgeschäft

Sabine Jünemann bietet noch etwas, dass kein Amazon kann. Schon mehrfach in den vergangenen Jahren haben sich an Samstagabenden bis zu fünf Kunden über Stunden im Buchgeschäft von ihr einschließen lassen, um ungestört lesen und stöbern zu können. Ein Angebot, das sie „auf Nachfrage“ auch wiederholen würde.