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Vor sieben Jahren aus dem Irak gekommen Der Physiker unter Delmenhorsts Friseuren

Von Alexander Schnackenburg | 31.08.2015, 13:52 Uhr

Er ist Diplom-Physiker und Diplom-Friseur: In Delmenhorst betreibt der Iraker Nawzat Hamid Kaso den Friseur-Salon „Modello“.

Nawzat Hamid Kaso fühlt sich in Deutschland zu Hause. Seit sieben Jahren lebt der Iraker hier, genauer: in Bremen. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er als Inhaber des Friseur-Salons „Modello“an der Langen Straße in Delmenhorst.

Zwei Diplome

Dabei hat Kaso im Irak nicht nur das Friseur-Handwerk gelernt, wovon gar ein Diplom zeugt. Er ist darüber hinaus Diplom-Physiker. Was für deutsche Ohren zunächst ein wenig ungewöhnlich klingen mag, sei für ihn „völlig normal“, versichert der 36-Jährige. Denn schon während seiner Ausbildung habe er vormittags studiert und nachmittags frisiert, um so das Studium zu finanzieren.

In Deutschland angekommen sei es für ihn 2008 nicht ohne Weiteres möglich gewesen, als Physiker an einer Uni unterzukommen, wie er es zunächst vorhatte. Um dennoch seine Familie ernähren zu können, besann er sich bald, es ähnlich zu halten wie einst im Irak. Zunächst heuerte Kaso bei einem Bremer Friseur als Angestellter an. Kunden aus Delmenhorst brachten ihn schließlich auf die Idee, einen Salon zu gründen, der eine Marktlücke an der Delme schließen könne: Kaso hat mit „Modello“ vor zwei Jahren einen reinen Herren-Friseur-Salon an der Langen Straße ins Leben gerufen, in welchem er auch mit Rasiermessern Bärte nach Modellen frisiert, Augenbrauen zupft und Gesichtshaare mit Fäden entfernt.

Zwei Angestellte

Zwar, berichtet er, sei der Salon etwas mühsam angelaufen. Durch diverse Angebote aber sei es ihm geglückt, nach und nach immer mehr Kunden hinzu zu gewinnen. Mittlerweile beschäftigt Kaso sogar zwei Mitarbeiter: einen Aramäer aus Syrien sowie einen Iraker, um dem Kundenandrang gerecht werden zu können. Genau wie Kaso arbeiten seine Mitarbeiter intensiv daran, ihre deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern.

Zweite Chance

Denn davon ist der Physiker und Friseur in Personalunion überzeugt: „Wenn du die Sprache eines Landes nicht sprichst, kannst du dort auch nicht vernünftig arbeiten.“ Kaso ist überzeugt von der deutschen Integrationspolitik. So legten die Ämter großen Wert darauf, dass, wer nach Deutschland ziehe, schnell die Sprache lerne – und unterstützten dieses Ansinnen mit entsprechenden Kursen. Auch würden Arbeitssuchende nach seiner Erfahrung in Deutschland nicht fallen gelassen, sondern gleichermaßen gefordert und gefördert, bekämen, wenn alle Stricke rissen, Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten. „Hier bekommt jeder seine Chance. Das verstehe ich unter Respekt vor dem Menschen“, sagt er.