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Vorjahreswert leicht übertroffen Zahl der Einbrüche in Delmenhorst steigt an

Von Frederik Grabbe | 25.01.2016, 06:39 Uhr

In der Stadt sind 2015 im Vergleich zum Vorjahr mehr Einbrüche verübt worden als im Vorjahr. Die Polizei reagiert mit einem Bündel von Maßnahmen. Der Ermittlungserfolg hält sich allerdings in Grenzen.

In Delmenhorst hat es im Jahr 2015 wieder mehr Einbrüche gegeben. Auf dk-Anfrage gab die hiesige Polizeiinspektion an, dass der Vorjahreswert „leicht“ überschritten wurde. 2014 wurden demnach 152 Einbrüche im Stadtgebiet registriert. Eine genaue Zahl für 2015 nannte Polizeisprecherin Melissa Oltmanns mit Hinweis auf die Veröffentlichung der Kriminalstatistik ab Mitte Februar aber nicht.

2013 Zahl der Einbrüche um ein Drittel höher

Allerdings gab es zum Jahr 2014 einen großen Einbruch: 2013 wurden noch 219 Taten verzeichnet, ein Jahr später gingen diese aber um 67 Taten zurück, also um knapp ein Drittel. „Gemessen an den Zahlen des Vorjahres sind die Einbrüche im Oktober und November stark angestiegen, im Dezember aber wieder leicht gesunken“, so Oltmanns. Was den Anstieg betrifft, sei dies weiter keine Überraschung. „Die meisten Einbrüche werden in der dunklen Jahreszeit verübt“, sagt sie. „Abgesehen davon, dass die Taten in der Dunkelheit mit größerer Wahrscheinlichkeit unentdeckt bleiben, fällt die auch die soziale Kontrolle durch die Nachbarn, durch Jogger oder Passanten auf der Straße weg.“

Wegen den zunehmenden Einbruchdiebstählen in den vergangenen Jahren in Stuhr hat die dortige Polizei das Programm Integralis aufgelegt, ein Maßnahmenbündel zur Prävention von Einbrüchen. „So ein Programm haben wir zwar nicht“, spricht Oltmanns für die hiesige Polizeiinspektion, „Präventionsmaßnahmen gibt es aber dennoch.“

Grußkontrolle, Spurensuche, Streife

Oltmanns nennt beispielsweise die sogenannte Grußkontrolle: Ende November hatte die Polizei an einem Tag in Delmenhorst, Ganderkesee und Lemwerder rund 500 Fahrzeuge an Ausfallstraßen nach dem Zufallsprinzip kontrolliert. So sollten zum Beispiel mobile Tätergruppen abgeschreckt werden. Die Polizei sprach damals in der Rückschau von „wertvollen Hinweisen für weitere Ermittlungen“. Allerdings scheint sich der Ermittlungserfolg in Grenzen gehalten zu haben: In den vergangenen drei Monaten ist laut Oltmanns nicht ein Täter, der für ein oder mehrere Einbrüche im Stadtgebiet verantwortlich ist, gefasst worden. Zu der Anzahl laufender Ermittlungen wollte sie ebenfalls keine Angaben machen.

Neben der Grußkontrolle würden während der Wintermonate vermehrt in der Spurensuche spezialisierte Beamte eingesetzt – und dies auch bei Wohnungseinbrüchen, und nicht „nur“ bei Einbrüchen mit hohen Schadenssummen. Diese seien besser geschult, hätten besseres Equipment und mehr Erfahrung, als die Streifenpolizisten.

Zudem sei die Polizei bei Streifen in Wohngebieten mit Einfamilienhäusern besonders präsent.

Ermittlungserfolg bei Einbrüchen kaum vorhanden

Der Erfolg dieser Präventionsmechanismen aus Kontrollen, Präsenz und Spezialisteneinsatz ließe sich allerdings in den Zahlen schwer belegen. Auch was das Täterprofil angeht, ob es sich etwa um reisende Gruppen oder Einzeltäter handelt, seien keine Täterschwerpunkte zu nennen. Nur so viel: „Wenn Festnahmen erfolgen, können die Täter oft gleich ganzen Einbruchserien zugeordnet werden. Dies wirkt sich kurzfristig auch auf die Statistik aus.“

Davon ab gibt die Polizei Ratschläge, wie sich einzelne Bürger vor Einbrüchen schützen können:

So rät Olmanns zum Beispiel:

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  • -„Es bringt etwas, wenn das Haus bewohnt aussieht, also bei Abwesenheit etwa ein Licht angeschaltet hat. Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren an Lampen können dabei helfen.“
  • - „mit den Nachbarn sprechen, damit diese, wenn nötig, die Briefkästen leeren oder auf verdächtige Fahrzeuge achten.“
  • - „bei verdächtigen Sichtungen ohne Zögern bei der Polizei anrufen, auch, wenn am Ende nichts ist. Das ist unser Job. Aber wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.“
  • „und auch wenn es selbstverständlich klingt: Türen und Fenster sind abzuschließen. Gekippte Fenster etwa sind für Einbrecher leicht zu überwinden.“

Weißer Ring warnt vor Traumatisierung

Dass die Folgen für Personen, bei denen eingebrochen wurde, nicht ganz ohne sind, sagt die Leiterin der örtlichen Stelle der Opferhilfe Weißer Ring, Gaby Lübben. „Eine solche Erfahrung kann eine erhebliche Traumatisierung auslösen. Zumindest geht der Glauben verloren, dass man in seiner eigenen Wohnung sicher ist. Die Verletzung der Privatsphäre ist ein sehr großes Belastungsmoment“, sagt sie. Die Einrichtung unterstützt zum Beispiel, indem sie die Psyche durch menschlichen Beistand zu stabilisieren versucht und gegebenenfalls das Opfer zu Fachleuten vermittelt. Auch gibt sie Tipps zur Sicherheitsverbesserung oder verweist auf den den Polizeiservice zum Sicherheitscheck. Von einem Anstieg der Einbruchszahlen merke der Weiße Ring aber nichts: Pro Jahr betreut der Verein in Delmenhorst laut Lübben konstant fünf bis zehn Fälle.