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Vorlesestadt des Jahres Delmenhorst greift nach dem Titel

Von Marie Busse | 13.11.2018, 18:23 Uhr

Vorlesen zwischen Wäscheständern, in der Friedhofskapelle, in der Sauna oder in der Arztpraxis. Mit über 200 Aktionen nimmt Delmenhorst am Freitag, 16. November, am bundesweiten Vorlesetag teil. Die Stadt hofft dabei auf den großen Titel.

Den Kindern vorlesen ist ein uneinholbares Startkapital. Da ist sich Maren Michels, Koordinatorin des Vorlesetags, sicher: „Laut der aktuellen Vorlesestudie fällt 78 Prozent der Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, das Lesenlernen leicht.“ Grund genug, für viele Menschen sich zu engagieren. Rund 50 Institutionen und Privatpersonen legen sich am Freitag ins Zeug. Mit über 200 Aktionen errechnen sie sich gute Chancen auf den Titel „Vorlesestadt des Jahres 2018“. Denn die Stadt mit den meisten Veranstaltungen – gemessen an der Einwohnerzahl – holt den Sieg. Über den ganzen Freitag verteilt finden im Stadtgebiet öffentliche und geschlossene Vorlese-Veranstaltungen statt.

Den Anfang machten bereits am Dienstag, 13. November, Viertklässler der Parkschule. Sie hingen Auszüge aus Büchern, sogenannte Speed-Dates, in den Bussen von Delbus aus. Damit soll bei den Fahrgästen die Lust am Lesen geweckt werden.

Aktionen von Schulen und Kaufmannschaft

Mit 19 Aktionen ist das Max-Planck-Gymnasium am Freitag Spitzenreiter. Passend zu gruseligen Geschichten basteln die Schüler Masken. Das Willms-Gymnasium beteiligt sich mit Lese-Veranstaltungen in der ganzen Stadt. So lesen Schüler im Krankenhaus oder am Bahnhof. Der Kurs Darstellendes Spiel führt kurze Drama Szenen in den Bussen von Delbus auf.

Lesung in der Sauna

Beim monatlichen Reparaturcafé ist der Erste Stadtrat Markus Pragal um 17 Uhr zu Gast, um „Heiteres aus Delmenhorst“ vorzulesen. Die Grafttherme lädt zu einer entspannten Lesung im Ruhebereich der Sauna. Auch einige Mieter des Bauvereins öffnen ihre Türen. Um 10 und 16 Uhr können Neugierige kuriosen Geschichten an der Strehlener Stra0e 10 lauschen. Der Kinderschutzbund beteiligt sich ebenfalls am Vorlesetag. Kinder zwischen sechs und elf Jahren hören ab 16.30 Uhr die Geschichte von Jim Knopf an der Langen Straße 101. Im Familienzentrum Villa lesen vormittags Eltern ihren Kleinkindern ihre Lieblingsbücher vor.

Und auch bei der Kaufmannschaft ist der Ehrgeiz geweckt, den Titel zu holen: Optiker Kunk lädt gleich zu zwei Veranstaltungen ein. Am Vormittag liest Sehtrainer Stephan Kommer mit einer Kindergartengruppe und ab 17 Uhr erzählt der Bremer Stadtführer Heinz Ortmann von seinen Erlebnissen. „Mit dem Titel kann Delmenhorst für positive Schlagzeilen sorgen“, erklärt Stephan Kommer sein Engagement. Beim Juwelier Wieting können Gedichte gehört werden und in der Buchhandlung Decius stellen Kunden ihre Lieblingsbücher vor.

Titel seit 2013 ausgelobt

Initiatoren vor Ort sind die Stadtbücherei, der Kulturkreis Delmenhorst und die Buchhandlung Jünemann. Der Titel selbst wird seit 2013 von der Wochenzeitung „Die Zeit“, der Stiftung Lesen und der Deutsche Bahn Stiftung in verschiedenen Kategorien ausgelobt.

Originelle Lesungen auf Friedhof

Neben der Anzahl der Aktionen lässt sich auch mit Originalität punkten. Und auch in diesem Punkt hat die Stadt einiges zu bieten: In der Wäsche Welt hört eine Kindergartengruppe die thematisch passende Geschichte von Friedemann. Er ist ein ganz normaler Junge, der nur zwei Dinge verabscheut: Pullis und Hosen. Auch der katholische Friedhof an der Oldenburger Straße wird zum Vorleseort. Doch nicht für traurige Geschichten, Rosemarie Lux bringt die Zuschauer in der Friedhofskapelle mit Erlebnissen von Online-Oma Renate zum Lachen. Auch das dk erwartet eine Kindergartengruppe, um gemeinsam in die Zeitungswelt einzutauchen.

Verschiedene Sprachen

Eine weitere Besonderheit ist die Vielfalt der Sprachen, in denen vorgelesen wird. Im Hanse-Wissenschaftskolleg lesen die Fellows in ihren Muttersprachen Englisch, Türkisch, Italienisch und Portugiesisch.