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Vorsicht bei der Pflanzenwahl Gartenserie: Giftige Beeren sind für Kinder verlockend

Von Jan Eric Fiedler | 24.04.2015, 20:55 Uhr

Gerade wer kleine Kinder oder Haustiere hat, sollte bei der Pflanzenwahl vorsichtig sein. Eine Kinder- und eine Tierärztin geben Tipps, was bei Vergiftungen zu tun ist.

Wenn jetzt die Gartensaison wieder startet, freuen sich nicht nur die Erwachsenen an dem frischen Grün, sondern auch Kinder und Haustiere genießen das Spiel im Freien. Aus Neugierde stecken Kinder dann auch schon einmal ein Blatt in den Mund, manche Tiere knabbern gerne an Blumen: Das kann unangenehme Folgen haben, denn in vielen Gärten lauern giftige Pflanzen.

Vergiftungen sind keine Seltenheit

„Es kommt bei uns nicht selten vor, dass Eltern mit ihren Kindern kommen, die sich im Garten etwas in den Mund gesteckt haben“, berichtet Dr. Claudia Niekrens, Kinderärztin in der Kinderklinik des Klinikums Delmenhorst. „Kinder ‚kochen‘ sich schon einmal eine Blättersuppe in der Sandkiste“, sagt Niekrens. „Eibe ist zum Beispiel giftig, die Beeren sind verlockend für Kinder.“ Auch der beliebte Kirschlorbeer bildet giftige Beeren aus.

Mehrere Symptome

Vergiftungen können sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. „Es sollte Eltern stutzig machen, wenn dem Kind plötzlich unwohl oder übel ist. Weiter Symptome sind unklare Müdigkeit, weite Pupillen, verwaschene Sprache oder komischer Geruch aus dem Mund“, sagt Niekrens.

Erbrechen wird nicht mehr empfohlen

Damit die Ärzte in der Kinderklinik in so einem Fall eingreifen können, ist es für sie wichtig, die gegessene Pflanze zu kennen. „Der optimale Fall ist, dass die Eltern Teile der Pflanze mitbringen.“ Kinder erbrechen zu lassen, nachdem sie etwas Giftiges zu sich genommen haben, wird laut Niekrens nicht mehr empfohlen. Diese Maßnahme werde auch im Krankenhaus nur angewandt, wenn die Aufnahme der Giftstoffe nur kurze Zeit zurückliegt. Gegen Vergiftungen wird im Krankenhaus häufig Kohle gegeben, um die gefährlichen Stoffe zu binden. Wenn die Giftstoffe bereits in der Blutbahn sind, wird das Kind zur Überwachung an einen Monitor angeschlossen, falls es zu Herz-Kreislauf-Problemen kommen.

Eltern haben Vorbildfunktion

„Eltern können durch ihre Vorbildfunktion Vergiftungen entgegenwirken“, sagt Niekrens. „Wilde Beeren vor Kindern pflücken und Essen ist nicht ratsam. Sie machen es nach – und können nicht zwischen giftig und ungiftig unterscheiden.“

Tödliche Gefahr für Haustiere

Auch Haustiere sind im Garten gefährdet. „Welpen buddeln alles aus und knabbern es an“, berichtet Tierärztin Dr. Gabriele Lührs. Ältere Hunde und Katzen seien grundsätzlich weniger gefährdet. Aber auch Katzen gehen manchmal an Pflanzen. Besonders gefährlich sind Pflanzen wie Maiglöckchen oder Fingerhut, deren Verzehr sogar eine tödliche Wirkung haben kann.

Schnell zum Tierarzt

Wenn der Besitzer merkt, dass Hund oder Katze etwas Giftiges gefressen haben, sollte so schnell wie möglich der Tierarzt aufgesucht werden. „Sollte das Gift noch im Magen sein, kann Erbrechen ausgelöst werden“, erklärt Lührs. Ansonsten müssen die Vierbeiner stationär in der Tierklinik behandelt werden.

Rasen für Nager ungesund

Gerade im Sommer werden Kaninchen und Meerschweinchen gerne auf dem Rasen laufen gelassen. Im Frühjahr und bis in den Mai oder Juni kann es aber zu Gesundheitsproblemen kommen, wenn die Nager das Gras fressen: „Jetzt wächst der Rasen ganz schnell und ist sehr eiweißhaltig. Das kann zu Verdauungsstörungen führen“, berichtet Lührs. Erst wenn das Gras mehrfach gemäht wurde, sinkt der Eiweißgehalt und der Anteil leicht verdaulicher Raufaser nimmt zu. Aus dem gleichen Grund sei es nicht ratsam, die Tiere auf Rasenflächen mit hohem Klee-Anteil grasen zu lassen.