Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Vortrag am HWK in Delmenhorst Experte: Schüler brauchen mehr digitale Kompetenzen

Von Jasmin Johannsen | 26.05.2017, 11:59 Uhr

Kann die Schule heute noch als medienferner Ort existieren? Dr. Rainer Ballnus sagt ganz klar ‚Nein‘. Die Gründe dafür stellte der Pädagoge und Informatiker bei einem Vortrag im HWK vor.

„Digitalisierung? – Ach, das geht schon irgendwann vorbei!“ Was sich so mancher Lehrer insgeheim wohl schon einmal gedacht hat, formulierte Dr. Rainer Ballnus pointiert aus. Der Leiter des „Zentrums für Medien am Landesinstitut für Schule in Bremen“ referierte auf Einladung der Delmenhorster Universitäts-Gesellschaft im Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) zum Thema „Digitale Kompetenz statt Wisch und Klick: Wie Bildung in einer Welt des digitalen Wandels gelingen kann“.

Dabei zeigte der Bremer auf, wie digitale Medien sinnvoll in den Schulunterricht einbezogen werden können und worauf Lehrer achten müssen, um einen kind- und jugendgerechten Umgang mit der digitalen Welt zu garantieren.

„Nur fünf Prozent des Unterrichts durch digitale Medien unterstützt“

„Vor einigen Jahren hat man gesagt: ‚Ich geh jetzt ins Internet‘, heute sind wir durch unsere Smartphones rund um die Uhr online“, stellte Ballnus zu Beginn seines Vortrags fest. Dieses ständige „Online sein“ sei Bestandteil des Alltags, das gelte auch für Kinder und Jugendliche. „Die 16-Jährigen von heute kennen keine Welt ohne digitale Medien“, erklärte der Informatiker und Pädagoge.

Das Schulsystem würde aus den Vorkenntnissen der Kinder und Jugendlichen allerdings kaum Nutzen ziehen. Obwohl 96 Prozent aller Schüler einen Hochleistungscomputer in der Hosentasche hätten, gemeint ist das Smartphone, würde nur fünf Prozent des Unterrichts durch digitale Medien unterstützt werden, so der Experte. Der Großteil des Schulalltags werde demnach analog gestaltet.

Lehramtsstudenten fehlt oft mediendidaktischen Kompetenzen

Die Schule also auch in Zukunft ein medienferner Ort? Ballnus positioniert sich ganz klar: „Das ist keine reale Lösung des Problems.“ Er plädiert dafür die Technik, wie zum Beispiel Tablets, in den Unterricht einzubinden und die Lehrinhalte dadurch sinnvoll und ausgewogen zu ergänzen. „Dazu müssten aber auch die Lehrer während ihres Studiums richtig ausgebildet werden“, merkt Ballnus an.

Noch immer könnten Lehramtsstudenten an deutschen Hochschulen ihr Studium abschließen, ohne jemals mit mediendidaktischen Kompetenzen in Kontakt gekommen zu sein. „Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, zeigte sich der Experte überzeugt. Die Politik müsse bundesländerübergreifend dafür sorgen, dass nicht nur die technischen Mittel zur Verfügung stehen, sondern auch die Lehrkräfte richtig geschult sind. „Nur so können auch die nächsten Schülergenerationen im Umgang mit Medien richtig ausgebildet werden.“

 Weiterlesen: So machen Medientrainer Delmenhorster Schüler fit fürs Netz