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Vortrag im HWK Delmenhorst Bremer Wissenschaftler beklagt Gettoisierung

Von Paul Wilhelm Glöckner | 15.02.2019, 10:33 Uhr

Delmenhorst Ob Zuwanderung in den Griff zu bekommen ist, Asylverfahren schneller entschieden und Personen ohne Bleiberecht schleunigst abgeschoben werden können, bezweifelte nun Dr. Stefan Luft von der Universität Bremen bei einem Vortrag vor der Delmenhorster Universitätsgesellschaft im Hanse-Wissenschaftskolleg.

Der Wissenschaftler Luft, der früher auch beim Senator für Inneres in der Hansestadt tätig war, forderte dazu einen „starken Staat“, der endlich die notwendigen Stellen bei Schulen und Polizei und günstige Wohnungen schaffe, um eine tatsächliche Integrationssteuerung zu erreichen.

Assimilationsbereitschaft eingefordert

Luft sah in einem fortschreitenden Integrationsprozess die Lösung bei der Eingliederung. Dazu gehöre auch ein gewisses Maß an Assimilationsbereitschaft bei den Immigranten, denn ohne baldigen Spracherwerb und der Übernahme von in unserer Gesellschaft üblichen Verhaltensmustern wie Pünktlichkeit oder dem respektvollen Umgang mit Frauen, gelänge die notwendige soziale Integration nicht. Dazu gehörte ferner deren Mitwirkung in den Vereinen und Institutionen und vonseiten der deutschen Bevölkerung die Anerkennung der tatsächlich Integrierten als Bundesbürger: „Im Ruhrgebiet werden die Nachkömmlinge der polnischen Zuwanderer aus dem 19. Jahrhundert auch nicht mehr als Polen bezeichnet, das muss auch für Herrn Öztürk gelten, der vor 50 Jahren als Gastarbeiter kam“.

Parallelgesellschaft durch Kettenwanderung

Allerdings habe sich leider in vielen Städten eine gewisse Parallelgesellschaft entwickelt. Die Grundlage sei hierfür die sogenannte Kettenwanderung gewesen. Bei der Zuwanderungsschwemme der Jahre 2015 und 2016 hätten „Pionierwanderer“ , die oftmals völlig falsche Lebensverhältnisse in der Bundesrepublik ihren Landsleuten über die modernen Internetmedien vermittelt, was den immer stärker werdenden Nachzug in bevorzugte Stadtteile verursachte. Das habe in der Zwischenzeit in vielen Städten zur Gettoisierung geführt. „Jene Nachwanderung erschwert die Integration, sie muss verhindert werden, auch den Familiennachzug gilt es einzuschränken“, führte der Referent aus.

Rechtsstaat sei ausgehebelt worden

Die liberale Einwanderungspolitik der letzten zwei Jahrzehnte (noch immer fehle ein Einwanderungsgesetz etwa nach kanadischem Muster) habe fatale Folgen mit sich gebracht. In Berlin und Bremen sei eine zunehmende Clan-Kriminalität entstanden, die die Polizei oftmals nicht mehr in den Griff bekäme. In diesen Kreisen existiere sogar eine Paralleljustiz. Der Rechtsstaat sei dadurch ausgehebelt worden, weil jene Bevölkerungsgruppen sich abschotteten. Auch politischer Widerstand habe eine wirksame Abschiebung verhindert. Und auch im Hinblick auf die Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern sah Luft schwarz: „Die von 2015/16 werden fast alle bleiben, denn auch ohne Bleiberecht bleiben die“.