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Vortrag im HWK Soziologin wirbt in Delmenhorst für Integration

Von A. Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 13.07.2016, 10:42 Uhr

Vor rund 90 Zuhörern im Hanse-Wissenschaftskolleg hat die Soziologin Annette Treibel-Illian auf das Thema Integration geblickt. Und das nicht ohne Zuversicht.

Annette Treibel-Illian findet den Pessimismus unangemessen: jenen Pessimismus, mit welchem weite Teile der deutschen Gesellschaft, zumal die Massenmedien, auf die Einwanderungsströme gen Deutschland blickten. Denn die Bundesrepublik, sagt die Soziologie-Professorin der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, sei nicht nur schon länger ein Einwanderungsland, sondern noch dazu ein sehr erfolgreiches, das sowohl unter wirtschaftlichen als auch sozialen Aspekten im internationalen Vergleich gut dastehe – woran auch die Deutschen mit Migrationshintergrund, welche über 20 Prozent unserer Bevölkerung ausmachten, einen gewichtigen Anteil hätten. Angesichts dieser Historie sei Zuversicht statt Schwarzmalerei angebracht, erläuterte Treibel-Illian am Montagabend knapp 90 Zuhörern im Hanse-Wissenschaftskolleg .

Von Schimanski bis Boateng

Die Soziologin erklärte dem Publikum die Grundthesen ihres im September 2015 bei „Campus“ erschienenen populärwissenschaftlichen Werks „Integriert Euch! Plädoyer für ein selbstbewusstes Einwanderungsland“. Hierin definiert die Autorin Integration als „Projekt für alle“, ganz gleich, ob es sich um Deutsche mit oder ohne Einwanderungsgeschichte handele und gleich, ob diese Menschen Meyer, Schmidt, Schimanski oder Boateng hießen. Treibel-Illian präferiert für Gastarbeiter, Aussiedler und Spätaussiedler sowie für deren Nachfahren ebenso wie für „alte Deutsche“ den Begriff „Einheimische“.

Konflikte friedlich austragen

Von den Massenmedien fordert die Professorin, dass diese öfter über vermeintlich langweilige Migrationserfolge berichten, statt allein Ängste ob der hohen Einwanderungsquoten zu schüren. Der gesamten Bevölkerung empfiehlt Treibel-Illian, Konflikte offen, aber friedlich auszutragen. Auf diese Weise lasse sich Ängsten vorbeugen und lasse sich manch Problem lösen. Auch müsse niemand für alles Verständnis haben oder zwangsläufig alle Einwanderer und Flüchtlinge mögen. Es gehe in der modernen Gesellschaft vielmehr darum, miteinander klar zu kommen. Hierzu seien konstruktive Auseinandersetzungen unerlässlich.

Jeden als Einzelperson würdigen

Im Alltag, das betonte Annette Treibel-Illian, empfehle es sich, jeden als Einzelperson zu würdigen, statt ihn nur mit jenen Gruppen zu assoziieren, denen er angehöre, egal wie er aussehe oder woher er stamme. Schließlich wolle jeder Mensch einfach als Individuum betrachtet werden – auch wir.