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Vortrag in Delmenhorster Markthalle Forscher spricht über Umgang mit Rechtspopulismus

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 19.05.2016, 18:19 Uhr

Rechtspopulisten sind politisch kaum interessiert, pflegen eine ausgesuchte Menschenfeindlichkeit – und müssen dennoch aus ihrer Ecke geholt werden. Der Soziologe Denis van de Wetering sprach am Mittwoch in der Markthalle über Rechtspopulismus.

In der „konstruierten Abgrenzung zwischen dem Volk einerseits und der Elite andererseits“ sieht der Soziologe Denis van de Wetering den wesentlichen Ausgangspunkt des Rechtspopulismus. Wodurch dieser außerdem gekennzeichnet sei, und wie man ihm begegnen sollte, darüber referierte der Wissenschaftler vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung am Mittwochabend vor etwa 20 Zuhörern in Markthalle. Eingeladen hatte ihn das „Breite Bündnis gegen rechts“, unterstützt vom Bundesprogramm „Demokratie leben“.

Politisch im engen Sinne kaum interessiert

Wie van de Wetering anhand verschiedener Untersuchungen darlegte, besteht eine der wesentlichen Herausforderungen in der Konfrontation mit Rechtspopulisten darin, dass sich letzte üblicherweise gar nicht gezielt politisch einbrächten, weder in Parteien oder Bürgerinitiativen, noch in Gewerkschaften, bei Demonstrationen oder Online-Protestaktionen. Sie seien im engen Sinn politisch kaum interessiert, nicht umsonst seien rechtspopulistische Einstellungen besonders häufig bei Nichtwählern zu finden. (Weiterlesen: Vortrag im HWK: Bedroht der Flüchtlingszuzug Europa?)

Außenseiter aus ihrer Ecke holen

Dennoch sei die Auseinandersetzung mit ihnen wichtig. Denn Rechtspopulisten sähen sich oft als Außenseiter. Um sie aus ihrer Ecke zu holen, so der Konfliktforscher, sei es daher geradezu unverzichtbar, mit ihnen zu diskutieren. Dabei komme es darauf an, die Diskussionsgegenstände scharf voneinander zu trennen. Denn Rechtspopulisten neigten dazu, mehrere Themen dergestalt miteinander zu verquicken, dass eine sachliche Diskussion immer schwerer falle.

Gruppenspezifische menschenfeindlich

So kreierten sie derzeit etwa typischerweise einen „antimuslimischen Rassismus“ und trügen diesen in die aktuelle Integrationsdebatte, indem sie den Islam mit Eroberungsbestreben assoziierten: „Islam = Eroberung = Unterwanderung = Überfremdung = Zersetzung“, skizzierte van de Wetering charakteristische rechtspopulistische Gedankengänge auf einer seiner Folien. Noch allgemeiner gefasst sei eine „gruppenspezifische Menschenfeindlichkeit“ für rechtspopulistische Einstellungsmuster charakteristisch. Diese könne ebenso zur Abwertung von Eingewanderten, Muslimen, Roma oder Asylsuchenden führen wie zu jener von Juden, homosexuellen Menschen oder Frauen.