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Vortrag in der Markthalle Özoguz: Harsche Kritik an Stadt Delmenhorst

Von Alexander Schnackenburg | 10.06.2015, 19:32 Uhr

Yavuz Özoguz hat vor seinem Vortrag am Dienstag in der Markthalle der Politik vorgeworfen, grundlos Immobilien vorzuenthalten. Zudem wehrte er sich gegen den Vorwurf, „Judenhasser“ zu sein.

„Islam in Deutschland und Delmenhorst“: So lautete der Titel eines Vortrags, den am Dienstag der Vorsitzende des „Islamischen Wegs“, Yavuz Özoguz, vor knapp 100 Besuchern in der Markthalle gehalten hat. Voraus schickte Özoguz seinen Worten über den Islam harsche Kritik an der Stadt. So warf er der Politik vor, dem „Islamischen Weg e. V.“ grundlos Immobilien vorzuenthalten. Dies sei ein Grund dafür, dass der Verein über keine eigene Moschee verfüge.

„Judenhasser“-Vorwurf

Özoguz verwahrte sich zudem vor dem Vorwurf, ein „Judenhasser“ zu sein. Vielmehr habe er mehr jüdische Freunde „als manch einer, der im Stadtrat sitzt“. Auch habe er niemals den Holocaust geleugnet, wie die Medien wiederholt kolportiert hätten. Allerdings frage er sich, weshalb seit sieben Jahrzehnten Palästinenser darunter litten, dass die Deutschen einst Juden verfolgt hätten. Den Staat Israel verglich Özoguz mit dem einstigen Apartheids-Staat Südafrika. Erst wenn Juden, Christen und Muslime dort gleichberechtigt und in Frieden miteinander lebten, habe Israel – oder wie auch immer der Staat dann heiße – Anerkennung verdient.

Offener Brief ausgelegt

Özoguz findet, dass der Islam in weiten Teilen der westlichen Welt, zumal in Deutschland und in Delmenhorst, seit Jahren immer wieder öffentlich verunglimpft werde. Bereits im Vorfeld hatte er einen offenen Brief Syyid Ali Chamenene´is auf den Stühlen der Markthalle ausgelegt, in dem sich das geistliche Oberhaupt des „Islamischen Wegs“ mit der Aufforderung „an die Jugend Europas und Nordamerikas“ wendet , „nach den Motiven dieser groß angelegten Schwarzmalerei über den Islam“ zu forschen.

Streben nach höchster Liebe Gottes

Özoguz charakterisierte den Islam als Religion, deren Anhänger nach der höchsten Liebe Gottes strebten. Um dieses Ziel zu erreichen, strebe der „ideale“ Muslim das friedliche Miteinander aller Religionen an. Er lehne Gewalt gegen Kinder ebenso ab wie gegen die Ehefrau oder gegen alte Menschen. Das Verbrennen selbst Toter – erst recht Lebender – sei ihm verboten. Auch lehne er Atomenergie und Atomwaffen ab. Den Kapitalismus betrachte er kritisch. Özoguz räumte in diesem Zusammenhang ein, dass der weithin praktizierte Islam mit dieser Idealvorstellung oft wenig zu tun habe.