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Vortrag zu „Fast Fashion“ in Delmenhorst Expertin warnt vor Mode zum Wegwerfen

Von Vincent Buß | 20.12.2018, 16:58 Uhr

„Fast Fashion“, also kurzlebige Mode, ist im Trend. Warum die so gefährlich ist, erklärt Prof. Heike Derwanz von der Universität Oldenburg.

Als Heike Derwanz für ein Forschungsprojekt durch Hamburg lief, fiel ihr etwas auf: Überall lag Kleidung. Zunächst dachte sie, dass Leute die Klamotten verloren hätten. Doch dann fand sie heraus, dass Menschen ihre überschüssigen Textilien bewusst dorthin legen, damit andere sie mitnehmen können. Auch Derwanz selbst nahm eine graue Strickjacke mit. Anhand dieser Jacke und ihrer Geschichte, die die Professorin am Donnerstag, 20. Dezember, Schülern des Delmenhorster Max-Planck-Gymnasiums erzählt, will sie deutlich machen, was alles mit „Fast Fashion“ – kurzlebiger Mode – falsch läuft.

Daran erkennt man „Fast Fashion“

Dass die wenigsten Menschen Klamotten von der Straße mitnehmen würden, gibt Derwanz, die materielle Kultur mit dem Schwerpunkt Textil lehrt, zu. Und auch die von ihr entdeckte Jacke ist alles andere als perfekt. Zum Beispiel wegen der großen Löcher unter den Achseln. „Das ist typisch für ‚Fast Fashion‘: Aufreißen ist okay, wir sollen die Kleidung ja auch nicht lange behalten“, erklärt sie die Strategie hinter der kurzlebigen Mode, die zum Kaufen bewegen soll. Dennoch nimmt sie auch die Käufer in die Pflicht, denn letztendlich geht es um ihre Einstellung. „Stören euch die Löcher?“, fragt sie in die Runde.

Darum geht die Kleidung so schnell kaputt

Warum „Fast Fashion“ überhaupt so schnell kaputt geht, erklärt Derwanz daraufhin. Bei jedem Waschen gehe Stoff verloren. Und weil dieser laut der Expertin bei „Fast Fashion“ eh schon sehr dünn ist, passiert das besonders schnell. Das bemerke man etwa an den prall gefüllten Fusselsieben von Waschmaschinen. „Früher, als es vor allem dicke T-Shirt-Stoffe gab, gingen sie erst nach vielen Jahren kaputt“, erinnert sich Derwanz. Heute hielten die Klamotten oft nur vier Waschgänge aus. Außerdem habe man früher weniger gewaschen. Denn auch die Auffassung, was hygienisch sei, habe sich im Laufe der Zeit verändert.

Mode als Problem

Dass Kleidung kaputt gehe, ist laut der Professorin jedoch nicht der Hauptgrund dafür, dass sie weggeworfen werde. Das liege stattdessen an Modetrends: Was nicht mehr modern sei, werde entsorgt. Derwanz erklärt dieses Verhalten: „Mode ist etwas Soziales, das uns verbindet.“ Man zeige, wer man sei und zu welcher Gruppe man gehören möchte. „Und jeder von uns möchte dazugehören.“

Mode sei deshalb nicht immer rational. Etwa, wenn Jugendliche im tiefsten Winter zu hochgekrempelten Hosen Turnschuhe ohne Socken tragen. Am schlimmsten findet die Expertin aber einen anderen Trend: „Destroyed Jeans“ – Hosen, in die Löcher geschnitten werden. Diese Praxis verschwendet nach Derwanz‘ Ansicht nicht nur Ressourcen, sondern auch Arbeit, die Menschen geleistet haben. „Das ist das ist Unnachhaltigste, was man überhaupt machen kann“, findet die Professorin.

Tipps von der Expertin

Sie gibt aber auch Tipps, wie man nachhaltiger mit Kleidung umgehen könne: auf „Slow Fashion“ setzen. Die zeichnet sich laut Derwanz aus durch faire und ökologische Herstellung sowie höhere Qualität, was sie langlebiger macht. Allein an einem höheren Preis sei diese Kleidung jedoch nicht zu erkennen, weil teurere Marken teilweise in den gleichen Fabriken wie ihre Billigkonkurrenz produzierten.

Stattdessen sollen Verbraucher auf bestimmte Siegel achten, wie den „Global Organic Textile Standard“ (GOTS). Außerdem ruft die Expertin insgesamt zu einem anderen Umgang mit Kleidung auf: reparieren statt wegwerfen, tauschen statt kaufen. „Second Hand ist das Nachhaltigste, was man machen kann“, appelliert sie an die Schüler. Wie die graue Strickjacke, die Derwanz in Hamburg gefunden hat.