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Vorwurf der räuberischen Erpressung Klappmesser als Verkaufsargument in Delmenhorst

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 11.10.2016, 18:21 Uhr

Das Landgericht Oldenburg verhandelt seit Dienstag wegen des Tatvorwurfs der besonders schweren räuberischen Erpressung gegen drei Delmenhorster.

Es sollte wohl wie ein seriöses Geschäft aussehen. Jedenfalls hatten die drei Angeklagten aus Delmenhorst an jenem Novembertag des vorigen Jahres sogar extra einen „Kaufvertrag“ aufgesetzt. Für 80 Euro sollte ihnen der Geschädigte sein Smartphone verkaufen, ohne das Geld jemals zu bekommen. Tatsächlich hat er den Vertrag unterschrieben – allerdings unter Umständen, die neben anderen aus Sicht der Staatsanwaltschaft den Tatbestand der besonders schweren räuberischen Erpressung erfüllen. Seit Dienstagvormittag müssen sich die 19-, 20- und 22-jährigen Delmenhorster deswegen vor dem Landgericht Oldenburg verantworten.

Personalausweis als „Pfand“ einbehalten

Denn während sie den Geschädigten von dem Handy-Deal „überzeugten“, spielte der eine mit einem Schlagstock, während der andere – zumindest nach Auffassung der Staatsanwaltschaft – das Opfer mit einem Klappmesser bedrohte. Der Geschädigte sagte zudem aus, dass ihn der dritte Angeklagte zuvor „gefilzt“ und dabei unter anderem um seinen Personalausweis erleichtert habe. Diesen hätten die Täter als „Pfand“ einbehalten. Denn er habe ihnen eine größere Summe zahlen sollen, gewissermaßen als Wiedergutmachung dafür, dass er sie bei der Polizei wegen eines Überfalls angezeigt habe.

Missglückter Überfall spielt auch eine Rolle

Spätestens an diesem Punkt wird es bizarr. Denn den besagten Überfall auf einen Kiosk hatte der Geschädigte selbst begangen: vollkommen erfolglos und so stümperhaft, dass ihn die Kioskbesitzerin gar nicht ernst nahm und die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen ihn schon wieder eingestellt hat. Gleichwohl hatten zwei der Angeklagten infolge des merkwürdigen Vorfalls Post von der Polizei bekommen, welche ihnen vorwarf, Beihilfe zu dem gescheiterten Überfall geleistet zu haben.

Staatsanwalt mutmaßt offene Rechnung

Deshalb, glaubt die Staatsanwaltschaft, hätten die Angeklagten eine Rechnung mit dem Geschädigten offen gehabt. Details allerdings ließen sich zum Prozessauftakt kaum nachvollziehen. Zwei der Angeklagten schwiegen, der dritte äußerte sich nur fragmentarisch. Der Geschädigte wiederum wirkte wirr und fahrig, konnte kaum vollständige Sätze bilden. Um ihm auf die Sprünge zu helfen, musste der Vorsitzende Richter Christian Weigmann immer wieder aus dem Protokoll der polizeilichen Vernehmung zitieren. Trotzdem hofft die Kammer, schon am Donnerstag, 13. Oktober, ein Urteil in dem Verfahren verkünden zu können.