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Wege in den Beruf Integrationsberater der HWK gibt Tipps in Delmenhorst

Von Marco Julius | 21.11.2017, 13:36 Uhr

Hussein Kerri ist bei der Handwerkskammer Ansprechpartner für Flüchtlinge und Asylbewerber. In Schulen erläutert er das duale Berufsausbildungssystem und zeigt Schülern gangbare Wege auf.

Der Mann weiß, wovon er spricht. Das merken auch viele der Schüler der Sprachlernklassen an der BBS II, die ihm an diesem Morgen zuhören. Er hat nicht nur ein großes Wissen über die duale Berufsausbildung in Deutschland. Er weiß, was es bedeutet, in ein fremdes Land zu kommen, ohne die Sprache zu beherrschen. Ganz neu anfangen zu müssen. Hussein Kerri ist bei der Handwerkskammer Oldenburg Ansprechpartner für Flüchtlinge und Asylbewerber. Und er ist vor rund 30 Jahren selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen, als er seine Heimat, den Libanon, verlassen musste.

54 Jahre alt ist Kerri heute. Regelmäßig schaut er in Schulen vorbei, um im Zuge der Berufsorientierung jungen Menschen, die erst kurze Zeit in Deutschland sind, die möglichen Wege in den Beruf aufzuzeigen. Kerri hat sich alles selbst erarbeitet. Von der Sprache über die Lehre und den Meistertitel im Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk bis hin zum Berater bei der Handwerkskammer. Das gibt dem, was er Schülern an Aufklärungsarbeit vermitteln kann, Glaubwürdigkeit.

„Warum sind Sie in Deutschland? Was ist Ihr Ziel?“, fragt er die Schüler, die zum Beispiel aus Syrien, dem Irak, aus Bulgarien, Pakistan oder Moldawien stammen. Die Antwort liefert er gleich mit: „Weil Sie gewinnen wollen. Wer sich ewig ans Jobcenter bindet, der hat jetzt schon verloren.“

Ohne Schulbildung geht nichts

Einen Beruf erlernen, eigenes Geld verdienen. Bei vielen Schülern stößt er damit auf offene Ohren, auch wenn er die Unterschiede zwischen netto und brutto erst noch erläutern muss und viele auch noch gar nicht wissen, welchen Beruf sie anstreben. Andere Schüler wiederum haben bereits klare Berufsvorstellungen. Aber hier muss Kerri manchmal die Erwartungen bremsen. Die Anforderungen, die etwa an künftige Piloten, Rechtsanwälte oder Polizisten gestellt werden, sind hoch. Wer nicht die richtige Schulbildung hat, kommt da kaum voran. Kerri wirbt für die Ausbildung, gerade im Handwerk. Aber jeder Schüler müsse individuell den richtigen Weg für sich suchen. Probleme gibt es viele. Einige Schüler der Sprachlernklassen haben in ihrer Heimat, die sie verlassen mussten, nur wenige Jahre in der Schule verbracht, können die Schriftsprache ihrer Heimat nicht. Andere wiederum, die intensiv zur Schule gegangen sind, haben zwar viele Kenntnisse erworben, können das nicht mit entsprechenden Dokumenten belegen.

Mehrsprachige Informationen

Dass das duale System der Berufsausbildung in vielen Ländern nicht bekannt ist, erschwert die Sache. Wie man in Bulgarien den Beruf des Maurers erlerne, weiß ein bulgarischer Junge ganz genau. „Auf der Straße. Man geht einfach mit zur Arbeit.“

Kerri erreicht viele Schüler an diesem Tag nicht nur, weil er selbst eine Flüchtlingsgeschichte aufzuweisen hat und er in seiner neuen Heimat, wie man so sagt, angekommen ist. Er erreicht die Schüler auch nicht deshalb, weil er Arabisch spricht, auch wenn er das in der BBS II nur in Ausnahmefällen tut, weil er möchte, dass alle sich in der deutschen Sprache unterhalten. Er erreicht die Schüler vor allem durch seine enorm ruhige Art, die auch Schüler, die sich sonst allzu gern ablenken lassen, zur Aufmerksamkeit ermuntert.

Werbung für Praktika

Kerri wirbt für Praktika. Und er wirbt dafür, dass die Jugendlichen mehr Unterstützung erhalten. Sie allein auf die Suche nach einem Praktikumsplatz zu schicken, das verfehle meist das Ziel. Sein Wort hat bei den Schülern auch deshalb Gewicht, weil er nicht zu den Lehrern gehört. Die übrigens sind froh, wenn von außen jemand kommt. Zumeist haben es die Lehrer mit zu großen Klassen zu tun. Es fehlt an Personal, um das Potenzial, dass in den Schüler steckt, entsprechend zu fördern.

Kerri weiß das. Er bietet seine Hilfe an, ist auch in der Handwerkskammer für die Schüler erreichbar.