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Wegen Asbestgefahr Dübelverbot in öffentlichen Gebäuden in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe | 23.03.2017, 08:31 Uhr

Nach Asbestfunden im Bereich der Oberfinanzdirektion Niedersachsen empfiehlt diese Kommunen in ganz Niedersachsen, in ihren Gebäuden keine Löcher mehr in Wände zu bohren. Auch in Delmenhorst gab es kürzlich einen Asbestfund.

Eine neue Handlungsempfehlung der Oberfinanzdirektion (OFD) Niedersachsen sorgt derzeit für Aufsehen in Delmenhorst: Sie hat unter anderem zur Folge, dass in sämtlichen städtischen Gebäuden keine Durchbrüche in Wände getrieben oder Löcher gebohrt werden dürfen – darunter fällt beispielsweise auch das Loch für einen Dübel. Dies teilt Stadtsprecher Timo Frers auf Anfrage mit. Demnach gilt diese Empfehlung für die Bauverwaltungen des Landes seit Februar und bezieht sich auf schadstoffhaltige Putze, Spachtelmassen und Fliesenkleber. „Alle städtischen Handwerker und Hausmeister sind über die Anweisungen informiert worden. Dringende Arbeiten sind mit dem entsprechenden Fachdienst abzustimmen“, sagt Frers. Oberbürgermeister Axel Jahnz habe die Empfehlung für die städtischen Dienststellen als verbindlich erklärt.

Asbestfunde der Oberfinanzdirektion sind Anlass für Empfehlung

Diese Empfehlung fußt auf Funden von asbestbelasteten Putzen und Spachtelmassen in einigen Gebäuden im Zuständigkeitsbereich der OFD, teilt die Landeseinrichtung auf Anfrage mit. Der Hinweis durch die Abteilung Bau und Liegenschaften, Löcher in Wänden zu vermeiden, gelte landesweit, und sei vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse über asbesthaltige Putze, Spachtelmassen und Fliesenkleber ausgesprochen worden.

Asbestfund auch in Delmenhorst

Dass die Empfehlung auch in Delmenhorst offenbar berechtigt ist, zeigt das Beispiel Turnhalle Annenheide: Wegen geplanter Sanierungsarbeiten war im November 2016 ein Schadstoffkataster in Auftrag gegeben worden. In der Betonkonstruktion wurden „kleinere asbesthaltige Distanzplatten zwischen den Betonstützen und den Beton-Dachträgern“ vorgefunden, berichtet der städtische Fachbereichsleiter Gebäudeservice Andreas Tensfeldt auf dk-Anfrage. Bei anschließenden Messungen konnten aber keine Asbestfasern in der Raumluft gemessen werden. Nach „kleineren Sanierungsarbeiten“, so Tensfeldt, wurde die Turnhalle nach vier Wochen am 17. Februar wieder für den Schul- und Vereinssport freigegeben. Die für den Sommer 2017 angesetzte, 950.000 Euro teure Komplett-Sanierung selbst wurde übrigens verschoben. Dies habe aber nichts mit dem Asbestfund zu tun, sondern liege an der Vielzahl an Baumaßnahmen in diesem Jahr, so der Fachbereichsleiter.

Bauteile müssen vor Arbeiten untersucht werden

Die neuen, für Delmenhorst nun verbindlichen Handlungsempfehlungen haben ebenfalls zur Folge, dass vor größeren Baumaßnahmen die betreffenden Bauteile auf Schadstoffe zu untersuchen sind, sagt Tensfeldt. Gegebenenfalls werden entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet, damit diese nicht freigesetzt werden. Tensfeldt betont, dass Handlungsbedarf gegeben ist, um Mitarbeiter, die mit Baustoffen Kontakt haben, vorsorglich gesundheitlich zu schützen.

Schulen nicht näher beeinträchtigt

Zumindest die Schulen scheinen die Vorsorgemaßgaben nicht näher zu beeinträchtigen: „Es ist gut, dass die das im Blick haben“, findet Hartmut Seedorff, Schulleiter der Parkschule und Vorsitzender des Arbeitskreises Delmenhorster Grundschulleiter. Bilder von Schülern werden laut Seedorff über Bilderleisten, an Pinnwänden oder mit Klebestreifen an Fenstern befestigt. „An die Wände gehen wir nicht dran.“ In der Integrierten Gesamtschule (IGS) halte man sich an die Maßgabe, „weil bisher keine näheren Prüfungen erfolgt sind“, sagt Schulleiterin Sigrid Radetzky. Haken und Ösen seien mehrfach vorhanden. Löcher zu bohren sei nicht nötig.