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Wegen neun Taten vor Gericht Als „Teufel“ in Delmenhorst Menschen bedroht

Von Thomas Deeken | 09.04.2015, 19:04 Uhr

Ein 31-jähriger Angeklagter aus Delmenhorst muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Oldenburg wegen sexueller Nötigung und acht anderer Delikte verantworten. Seit vielen Jahren befindet er sich in psychiatrischer Behandlung.

Von sexueller Nötigung über räuberischen Diebstahl bis hin zur Körperverletzung reichen die Vorwürfe gegen einen 31-jährigen Delmenhorster, der sich seit Donnerstag vor dem Oldenburger Landgericht wegen insgesamt neun Straftaten verantworten muss. Alle Taten fielen in die Zeit zwischen dem 29. August 2013 und dem 27. März 2014.

Für den Vorsitzenden Richter Dr. Dirk Reuter geht es allerdings nicht nur darum, die einzelnen Vorwürfe aufzuklären. „Der Punkt ist doch der, ob Sie in Wehnen bleiben müssen oder nicht“, sagte Reuter gegenüber dem Angeklagten, der sich seit vielen Jahren in psychiatrischer Behandlung befindet und derzeit in der Karl-Jaspers-Klinik, dem Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie in Wehnen bei Bad Zwischenahn, untergebracht ist.

Laut Anklage zwei Mädchen unsittlich berührt

Der 31-Jährige soll zwei Mädchen, Jahrgang 1999 und 2004, unsittlich berührt und anschließend eine inzwischen 41-jährige Delmenhorsterin derbe sexuell beleidigt haben, nachdem er sich nach Zeugenaussage zuvor als „Teufel“ bezeichnet hatte. Außerdem hat der Mann laut Anklage gegen ein Hausverbot bei der Parfümerie Schuback verstoßen, einen BMW mit einem Messer zerkratzt, einer Frau mit Hund gedroht, sie und ihren Vierbeiner abzustechen, und sich eine Schlägerei mit seinem Vater geliefert. Darüber hinaus soll der Delmenhorster einen mittlerweile 25 Jahre alten Mann mit einem Messer von einer Parkbank auf der Burginsel vertrieben haben, weil die Bank ihm gehören würde, was die eingeritzten Initialen beweisen würden. Letzter Vorwurf: Mitte Februar soll der 31-Jährige bei Kaufland 60 Euro von einem Kunden gestohlen haben.

Die meisten Taten gab der 31-Jährige gestern zu und verwies darauf, angetrunken gewesen zu sein. Er bestritt aber, versucht zu haben, dem zehnjährigen Mädchen die Hose herunterzuziehen. Das bedeutet, dass das Kind nun vor Gericht aussagen muss, was der Richter möglichst vermeiden wollte.

Angeklagter „geistig verwirrt“

Zeugen, die am Donnerstag aussagten, bezeichneten den Angeklagten als „geistig verwirrt“ und „nicht richtig in der Spur“. Seine Mutter charakterisierte ihn dagegen als im Normalfall „ruhigen, hilfsbereiten Menschen“. Er sei aber dann aufbrausend gewesen, „wenn er Drogen genommen hat“.

Die 57-Jährige wollte am Donnerstag zunächst nicht aussagen. Als der Richter aber darauf hinwies, dass ihre Aussagen auch positiv für ihren Sohn und dessen Zukunft gewertet werden könnten, berichtete sie über Drogenprobleme, die vor etwa zehn Jahren begonnen hätten. Nach Schwierigkeiten mit einer Freundin habe ihr Sohn zu Hasch gegriffen. Erschwerend für die Lebenslage sei hinzugekommen, dass er zwar zum Heizungsinstallateur ausgebildet worden sei, aber seit rund zwölf Jahren keine Arbeit habe.

Alle Wände und Möbel beschmiert

Insgesamt sei der 31-Jährige bereits rund zwölf Mal in der Karl-Jaspers-Klinik gewesen, habe dann Medikamente erhalten, die er nach seiner Entlassung nur noch unregelmäßig eingenommen habe. Dann sei er öfter sehr laut geworden und habe bei einem Blackout sogar mal in seiner Wohnung alle Wände und Möbel mit Farbe beschmiert. Besserung sei in Sicht, wenn ihr Sohn regelmäßig die Spritzen bekommen würde, die er auch in der Klinik erhält, und wenn er Arbeit hätte, sagte die Mutter. Fortgesetzt wird der Prozess am Freitag, 17. April, mit weiteren Zeugenaussagen.