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Wegen neun Taten vor Gericht Delmenhorster Angeklagter seit Jahren psychisch gestört

Von Thomas Deeken | 17.04.2015, 16:24 Uhr

Als spontan, absurd und plump hat der psychiatrische Gutachter Dr. Konstantin Karyofilis am Freitag die neun Straftaten eines Delmenhorsters bezeichnet, für die sich der Angeklagte derzeit vor dem Landgericht in Oldenburg verantworten muss.

Die Taten seien Folgen der Erkrankung des 31-Jährigen, der sich seit mehreren Jahren in psychiatrischer Behandlung befindet und zurzeit in der geschlossenen Abteilung der Karl-Jaspers-Klinik, dem Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie in Wehnen bei Bad Zwischenahn, untergebracht ist.

 In zwei Fällen geht es um sexuelle Nötigung . Eine heute 15-jährige Jugendliche sagte am Freitag aus, der Mann habe ihr im Sommer 2013 an die Brust gefasst, ein zehnjähriges Mädchen berichtete, der Angeklagte habe ihre kurze Sporthose herunterziehen wollen. Inzwischen hätten beide die Vorfälle recht gut verkraftet.

Für Karyofilis seien diese sexuellen Annäherungen zwar schlimm, aber nicht so dramatisch wie verschiedene Aktionen mit dem Messer, die dem 31-Jährigen ebenfalls vorgeworfen werden. Sexuelle Motive seien nicht unbedingt typisch für jemanden, der unter Halluzinationen leidet und in dessen Krankenakte die Diagnose Schizophrenie steht. Ein Messer, mit dem der Angeklagte bisher nur herumgefuchtelt habe, könne irgendwann einmal tatsächlich eingesetzt werden.

Krank sei der Delmenhorster, der inzwischen schon 15 Mal in Wehnen behandelt worden sei, seit 2007. Er habe verstärkt Cannabis geraucht, viel Alkohol getrunken und sei inzwischen psychisch gestört. Er habe immer wieder Medikamente erhalten, diese kurz darauf aber unregelmäßig bis gar nicht mehr eingenommen. Dann hätten sich die aggressiven Taten gehäuft.

Am 29. April soll darüber entschieden werden, ob der Mann in der Psychiatrie bleiben muss oder ob es eine andere Perspektive gibt.