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Wegen Vergewaltigung vor Gericht Delmenhorster überrascht Richter mit neuen Zeugen

Von Thomas Deeken | 23.01.2015, 16:10 Uhr

Eine überraschende Wende hat am Freitag ein Prozess gegen einen 30 Jahre alten Mann genommen, der sich vor dem Amtsgericht in Delmenhorst wegen Körperverletzung und Vergewaltigung seiner inzwischen von ihm geschiedenen Ehefrau verantworten muss. Er präsentierte neue Zeugen und eine umfangreiche SMS-Korrespondenz.

Der Delmenhorster, dem eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren droht, hat zu seiner Entlastung plötzlich zahlreiche WhatsApp- und SMS-Nachrichten sowie schriftliche Aussagen von drei neuen Zeugen vorgelegt. Statt eines Urteils, mit dem am Freitag eigentlich zu rechnen war, geht der Prozess am 11. und 25. Februar weiter.

Bis dahin soll der komplette SMS-Verkehr untersucht werden. Anschließend sollen die neuen Zeugen vor Gericht gehört werden.

„Ich falle aus allen Wolken, dass ich nichts von der SMS-Korrespondenz weiß“, sagte der Vorsitzende Richter. Er warf dem 30-Jährigen vor, sich nicht schon früher geäußert zu haben – zumal der Angeklagte von der Anzeige bereits seit Sommer 2013 wisse und auch am ersten Verhandlungstag während der gesamten Beweisaufnahme weitgehend still geblieben sei.

Erst am Freitag ergriff der Mann das Wort und präsentierte in vielen Einzelheiten die Vorwürfe aus seiner Sicht. Er stritt wie bei der ersten Verhandlung alle Anschuldigungen ab. Er habe nicht auf seine Frau eingetreten, sie nicht an den Haaren gezogen, nicht vergewaltigt und auch nicht auf der Autobahn ausgebremst. Er sei kein Schläger und Vergewaltiger. Er habe seine Frau lediglich am 18. Juli 2013 zwei- bis dreimal gegen die Schulter geschlagen – allerdings aus Notwehr. Der Delmenhorster sprach von vielen Streitigkeiten und von heftigen Beleidigungen seiner Frau gegenüber seiner Tochter, seiner Mutter und seinem verstorbenen Bruder. Sie habe mit Geschirr nach ihm geworfen und auf ihn eingedroschen. Und weil sie Angst vor einer Abschiebung gehabt haben soll, so der Angeklagte, sollte die Ehe eigentlich sogar aufrecht erhalten bleiben.