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Wegweiser in Vorgärten Schilderwald soll Kunden in Delmenhorst lenken

Von Sascha Sebastian Rühl, Sascha Sebastian Rühl | 06.07.2018, 10:39 Uhr

Auch in Zeiten von Navigationssystemen und mobilem Internet sterben Wegweiser nicht aus. Dutzende kleiner Schilder sollen in Delmenhorst Kunden zu Geschäften führen.

Es ist eigentlich so einfach: „Supermarkt“ oder „Imbiss“ ins Handy tippen, ein paar Sekunden später hat man, zumindest in Delmenhorst, die Qual der Wahl und einen kleinen Schritt später auch die Route zum Ziel. Trotzdem geben Unternehmen noch Geld dafür aus, Wegweiser aufzustellen. Kaufland zum Beispiel. „Wir haben rund zwanzig Navigationshilfen installieren lassen und prüfen die Resonanz“, heißt es aus der Kaufland-Unternehmenszentrale. Auch andere Unternehmen wie zum Beispiel Obi setzen auf Holz und Pappe. 

Kaufland hat 20 Schilder aufgestellt

„Wir möchten unseren Kunden in Delmenhorst die Möglichkeit bieten, unsere Märkte auch ohne Navigationsgeräte schnell und einfach zu finden“, teilt Kaufland auf Anfrage mit. Und weiter: „Gute Erreichbarkeit ist ein wichtiger Aspekt, und wir prüfen in regelmäßigen Abständen, ob wir unsere Standorte dahingehend verbessern können.“

Nebenverdienst für Grundbesitzer

Besonders auffällig an den Schildern von Kaufland ist, dass sie häufig auf Privatgrundstücken stehen. Angebracht hat die Schilder die Firma Moplak Medien Service aus Düsseldorf. Geschäftsführer Siegfried Marter sagt, dass es nur noch wenige Firmen gibt, die eine solche Form von Werbung anbieten. Seine Firma zahlt Geld an die Grundstückseigentümer. „Für so ein kleines Schild sind das einige 100 Euro im Jahr“, sagt Marter. Der Betrag richte sich nach der Werbewirkung. „Es wird genau bemessen, wie stark die Straße befahren ist.“ Dann werde berechnet, wie viele Menschen das Schild sehen könnten, „1,35 Leute pro Auto im Durchschnitt“, wie Marter sagt.

Konzept zum Kundenleitsystem

Für Kaufland in Delmenhorst habe die Firma ein Konzept ausgearbeitet, wie die Besucherströme in der Stadt so gelenkt werden können, dass alle den Supermarkt finden. „Urlaubsgäste und Durchreisende vor allem“, erläutert der Werbeprofi. Entweder sei die Firma auf Grundstückseigentümer an einer noch werbefreien Straße zugegangen – Nebenstraßen machen laut Marter wenig Sinn – oder Grundstückseigentümer haben Platz für Werbeflächen angeboten.

Stadt regelt Aufstellung

„Werbeanlagen mit nicht mehr als einem Quadratmeter Fläche sind baugenehmigungsfrei gestellt, müssen aber trotzdem das öffentliche Baurecht einhalten“, heißt es aus dem Delmenhorster Rathaus auf Anfrage. Jedoch müsse immer der Einzelfall betrachtet werden. Ein regelrechter Schilderwald im Vorgarten sei nicht erlaubt. „Solche Schilder dürfen nicht vom Verkehrsgeschehen ablenken, da sonst die Unfallgefahr gegeben wäre.“