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„Weißer Ring“ in Delmenhorst Jugendliche brauchen Bewusstsein für Netznutzung

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 11.08.2016, 19:09 Uhr

Im Internet können Jugendliche Opfer von Beleidigungen oder Beschimpfungen oft anonymer Täter werden. Das dk hat mit Rechtsanwältin Gaby Lübben von der Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer „Weißer Ring“ darüber gesprochen, was Jugendlichen im Internet drohen kann und wie sie sich dagegen zur Wehr setzen können.

Frau Lübben, wo kommt es zu und Beleidigungen im Internet?

Es gibt diese Internetplattformen, wo man eigentlich ohne zu überlegen Daten und Fotos veröffentlicht und sich überhaupt keine Gedanken macht, wie diese missbraucht werden könnten. Dafür ist es notwendig, ein Bewusstsein zu bekommen. Im Grunde genommen sind Facebook oder andere Plattformen wie der Delmenhorster Marktplatz. Wenn ich etwas bei Facebook poste, ist das genauso, wie wenn ich mich mitten auf den Marktplatz stelle und irgendwas erzähle.

In welcher Form finden diese Beleidigungen statt?

Das geht los über SMS, das ist ja die harmloseste Variante, die bekomme letztlich erst mal nur ich. Aber auf der anderen Seite haben wir auch immer Whatsapp-Gruppen und da kann man ja nichts gegen machen. Man kann dann zwar den Kontakt blocken, aber wenn man aus der Gruppe raus ist, dann wird es ja trotzdem weiterverbreitet. Das Schlimme ist, die Täter können das 24 Stunden lang am Tag machen und sitzen vielleicht noch mit mehreren am PC oder am Handy. Macht sich darüber lustig und schickt das dann ab.

Welche Folgen haben dieser Missbrauch und das Cybermobbing?

Man hat Angst zur Schule zu gehen und irgendwann geht man nicht mehr zur Schule. Man isoliert sich, zieht sich zurück, ist bedrückt und kehrt immer mehr in sich selbst hinein. Und die Belastung vertieft sich, wenn man nichts dagegen tut und sich keinem anvertraut. Das wieder aufzubrechen dauert zum einen und die Eltern merken auch nicht sofort etwas und weil es demjenigen peinlich ist, vertraut man sich denen auch nicht an. Das ist ein Teufelskreis.

Ist dieses Mobbing durch soziale Netzwerke wie Facebook, etc. größer geworden?

Klar, weil Täter und Opfer sich nicht mehr gegenüberstehen. Ich muss meinem Opfer nicht in die Augen gucken, wobei man vielleicht noch eine Hemmschwelle hat. Bei Facebook ist das viel leichter denjenigen in den Schlamm zu ziehen.

Welche Verantwortung haben die Eltern bei dem Surfverhalten der Jugendlichen?

Das Problem ist, dass die Eltern meist kein Risikobewusstsein für Facebook haben. Sie sind diejenigen, die sagen, du darfst den PC nutzen, du darfst dich auch bei Facebook anmelden. Doch dann fehlt ganz oft das „aber“. Da ist es wichtig, gemeinsam einen Mittelweg zu finden.

Wie können sich Jugendliche dagegen wehren?

Wichtig ist präventiv ein Bewusstsein zu bekommen, was heißt das eigentlich: Facebook ist gleich Delmenhorster Marktplatz. Dann veröffentlicht glaube ich nur noch ein kleiner Teil Bilder von sich über Facebook, offenbart sich da oder gibt Kommentare ab. Wenn es passiert ist, dann ganz klar: den Eltern anvertrauen, der Schule anvertrauen, da gibt es immer den Vertrauenslehrer, mit dem man sprechen kann. Wenn es gar nicht aufhört, zur Polizei gehen und Strafanzeige erstatten. Die Polizei schafft dem Täter ein Bewusstsein, was er da überhaupt gemacht hat.