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Weiter fünf Kinderärzte in Delmenhorst Kinderarzt-Praxis Renaud wächst für Traue-Patienten

Von Sonia Voigt | 03.04.2017, 18:50 Uhr

Bei der Versorgung junger Patienten tut sich in Delmenhorst zumindest kein größerer Engpass auf, als gehabt. Ausbauarbeiten und eine neue Kinderarzt-Stelle schaffen an der Langen Straße Platz für die Patienten von Gerd Traue, der im Juli in den Ruhestand geht.

Gute Nachricht für Familien: Wenn sich Kinderarzt Gerd Traue im Sommer in den Ruhestand verabschiedet, springt mit Dr. Christoph Renaud ein anderer Delmenhorster Kinderarzt in die Bresche. „Wir werden ab Juli die Patienten von Herrn Traue übernehmen“, kündigt Dr. Renaud an. Schnellstmöglich sollen jetzt in bisher leer stehenden Räumen neben seiner Praxis an der Langen Straße 79 Sanierungsarbeiten beginnen, um mehr Platz für die Neuzugänge zu gewinnen. Zudem schafft Renaud, der bereits vier angestellte Kinderärztinnen halbtags beschäftigt, ab Juli zwei weitere Halbtagsstellen.

160 Quadratmeter mehr und zwei neue Ärztinnen in Praxis Renaud

Der Umbau soll 160 zusätzliche Quadratmeter bringen, die sich in Richtung Lutherstraße direkt an die jetzigen Praxisräume anschließen. Damit erwarten Traues Patienten neue Räume und neue Ärztinnen, aber trotzdem einige bekannte Gesichter: „Wir übernehmen die drei Angestellten von Herrn Traue“, kündigt Dr. Renaud an. Damit sind ab Juli genug Platz und genug Personal da, um alle Patienten aus der dann schließenden Praxis an der Lahusenstraße aufzunehmen. Von vorherigen Wechseln bittet das Praxis-Team aber abzusehen. „Wir nehmen auch keine Wechsler aus anderen Kinderarzt-Praxen an“, erklärt Renaud. So sollen noch Kapazitäten für Geschwisterkinder kleiner Patienten und für Neugeborene frei bleiben.

Praxen sehen sich „an der Grenze des Leistbaren“

Denn auch wenn die Versorgungslage mit Kinderärzten in Delmenhorst durch den dritten Sitz in der Praxis Renaud gleich bleibt – luxuriös ist sie nicht. Immer wieder berichten Eltern in sozialen Netzwerken von Schwierigkeiten, einen Kinderarzt in Delmenhorst oder Ganderkesee zu finden. Und alle Praxen sind sehr gut ausgelastet, neben der Praxis Renaud auch die von Dr. Tillmann Müller-Wening an der Mühlenstraße 31a und von Dr. Gunda Kanders an der Cramerstraße 183a. „Wir bemühen uns Wartezeiten kurz zu halten, aber alle sind an der Grenze des Leistbaren“, berichtet Christoph Renaud. Denn die Patientenzahl steige.

Mehrwöchiger Vorlauf für Vorsorgeuntersuchungen

So nimmt Dr. Kanders zwar noch neue Patienten auf, aber es ist Geduld gefragt: kurzfristige Termine gibt es nur bei akuten Beschwerden, Vorsorgeuntersuchungen brauchen vier bis sechs Wochen Vorlauf. Die Praxis Dr. Müller-Wening akzeptiert nach einem Aufnahmestopp über den Winter jetzt wieder Neuzugänge, auch hier gelten aber lange Wartezeiten. Die Mitte Februar von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) genehmigte Aufstockung auf dann drei volle Kinderarzt-Stellen in der Praxis Renaud bringt da keine Abhilfe, sondern erhält nur den Status quo mit weiterhin fünf Kinderarzt-Sitzen in Delmenhorst.

Allgemeinärzte mit Weiterbildung als Alternative

„Darüber hinaus gilt eine Zulassungssperre, das ist vom Gesetzgeber so gewollt“, erklärt der Oldenburger KVN-Geschäftsführer Helmut Scherbeitz. Es sei durchaus zulässig, dass Praxen einen Aufnahmestopp verhängen. Familien müssten dann gegebenenfalls etwas weiter fahren, etwa zu Ärzten im Landkreis Oldenburg oder in Bremen. „Außerdem gibt es Allgemeinärzte mit kinderärztlicher Weiterbildung“, nennt Scherbeitz eine gerade für ältere Kinder und Jugendliche taugliche Alternative. Welche Hausärzte diese zusätzliche Kompetenz haben, ist aber nirgendwo öffentlich erfasst, sondern muss einzeln nachgefragt werden.