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Weiterhin Keime in den Proben Trinkwasser-Entwarnung in Delmenhorst lässt auf sich warten

27.01.2015, 10:59 Uhr

Die Trinkwasser-Belastung hält an. Gleichwohl habe auch Montag die positive Tendenz von Sonntag angehalten. Verbraucher- und Getränkemärkte melden eine gestiegene Nachfrage nach Mineralwasser. Von Heike Bentrup und Jens Gehrke

Im Fall der Verunreinigung des Delmenhorster Trinkwassers mit den als Fäkalkeimen bekannten E.coli-Bakterien gibt es auch fünf Tage nach der Entdeckung keine Entwarnung. Das teilte Petra Gerlach, Fachbereichsleiterin Gesundheit, Verbraucherschutz und Gefahrenabwehr, am Montag nach einer gemeinsamen Sitzung von Fachdienst und Stadtwerken mit. Gleichwohl zeichnet sich laut Stadtwerke-Sprecherin Britta Fengler eine positive Tendenz ab.

„Durch das Chloren ist bereits eine desinfizierende Wirkung eingetreten, die Maßnahmen greifen“, bestätigt auch Gerlach. Dennoch werde das Trinkwasser in den kommenden Tagen weiter gechlort, das Abkochgebot hat nach wie vor Bestand. „Erst wenn drei Tage in Folge keine Erreger mehr im Wasser nachgewiesen werden, können die Maßnahmen eingestellt werden“, erklärte Fachbereichsleiterin Gerlach.

Dass Verbraucher spontan auf die Nachricht des belasteten Wassers reagiert haben, bestätigen Verbraucher- und Getränkemärkte in der Stadt. „Nach Bekanntwerden der Belastung ist die Nachfrage nach stillem Mineralwasser spürbar angestiegen“, berichtet eine Mitarbeiterin des Hol-ab-Getränkemarktes im Neuen Deichhorst. Insbesondere Familien mit kleinen Kindern sowie ältere Menschen hätten sich mit Wasservorräten eingedeckt. Inkoop-Geschäftsführer Bernd Oetken beobachtete am Wochenende ebenfalls, dass sich viele Kunden am mit Mineralwasser eindeckten. Zeitweise sei es zu Engpässen gekommen.

Eine lückenlose Informationspolitik sowie eine korrekte Vorgehensweise bescheinigt Dr. Roland Suchenwirth, Abteilungsleiter Umweltmedizin, -hygiene und -epidemiologie im niedersächsischen Landesgesundheitsamt den zuständigen Stellen. „Die Reihenfolge der eingeleiteten Schritte entspricht den Empfehlungen“, berichtete er auf dk-Nachfrage. Das Amt sei unmittelbar nach Bekanntwerden der Belastung des Trinkwassers informiert worden.

Unsicherheit bei Anwohnern in stadtrandnahen Wohngebieten der Nachbargemeinden hat unterdessen der Hinweis der SWD ausgelöst, dass beispielsweise Heide und Elmeloh sowie Stuhr nicht zum Versorgungsnetz der Stadtwerke gehörten und die dortigen Haushalte nicht betroffen seien. „Wir sind SWD-Kunden und bekommen unser Wasser aus Delmenhorst“, berichtete ein Anwohner der Straße Hogendiek in Heide. „In Randgebieten kann es durchaus zu Überschneidungen kommen, betroffen sind alle Trinkwasser-Kunden der SWD “, betonte Stadtwerke-Sprecherin Fengler.

Gary Zörner, Experte für chemische und mikrobiologische Analytik und Inhaber der Lafu GmbH, forderte indessen umfassendere Untersuchungen. Seiner Auffassung nach sei unklar, ob durch die Fäkalien weitere Bakterien, Viren und Amöben ins Trinkwasser gelangt seien. Der Blick müsse zum Beispiel auch auf multiresistente Erreger (MRE) gerichtet werden, insbesondere, falls die Verunreinigungen aus der Tierhaltung stammen sollten. Seiner Meinung nach hätte das Abkochgebot und die Chlorung sofort bei den ersten Hinweisen angeordnet werden müssen. Zörner will zudem wissen, wie die fäkalen Verunreinigungen ins Wasser kamen und ob womöglich der Brunnen nicht tief genug ist.