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Wellpappenwerk kann nicht produzieren Streik bei Klingele in Delmenhorst legt Betrieb lahm

Von Thomas Breuer | 11.12.2018, 14:34 Uhr

Ein Warnstreik mit hoher Beteiligung legt derzeit für 24 Stunden die Produktion im Wellpappenwerk Klingele in Annenheide lahm.

Im Zuge der laufenden Tarifverhandlungen für die Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitende Industrie hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bundesweit zu einem Warnstreik aufgerufen, dem sich viele der 230 Beschäftigten von Klingele in Delmenhorst angeschlossen haben. Die Streikaktivitäten sollen von Dienstag, 6 Uhr, bis Mittwoch, 6 Uhr, andauern und treffen das Werk damit empfindlich.

Produktion steht 24 Stunden still

Allein aus der Frühschicht beteiligten sich knapp 50 Beschäftigte, sodass nicht produziert werden konnte. Werkleiter Patrick Ginter geht über drei Schichten von einem 24-stündigen Produktionsausfall aus, der das Unternehmen in der laufenden Vorweihnachtszeit empfindlich treffe. Im Stadium laufender Tarifverhandlungen, die am Donnerstag in Berlin in dritter Runde fortgesetzt werden sollen, wertet Ginter vor allem die Dauer des Warnstreiks als „vollkommen unverhältnismäßig“. Er sagte auf Nachfrage unserer Zeitung: „Das hat es so noch nicht gegeben. Hier ist das Augenmaß verloren gegangen.“ Einige Kunden könnten aktuell nicht beliefert werden.

Verdi fordert sechs Prozent mehr Lohn

Verdi fordert für die Beschäftigten sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, dazu eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 90 Euro. Gewerkschaftssekretärin Kornelia Haustermann sprach von einer guten Beteiligung der Klingele-Belegschaft am Streik und einem wichtigen Zeichen für die Verhandlungen.

Ärger über angestrebte Öffnungsklausel

Gerhard Beilemann, Betriebsratsvorsitzender bei Klingele in Annenheide, sagte, die Streikaktivitäten verliefen in ruhigen und geordneten Bahnen. Sie seien notwendig. In der ersten Runde hätten die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt, in der zweiten ein nicht zu akzeptierendes. Zudem kritisiert er eine in der zweiten Runde eingebrachte Öffnungsklausel, derzufolge kleinere und nach eigener Darstellung wirtschaftlich schwächere Betriebe die Möglichkeit haben sollen, Lohnsteigerungen auszusetzen. Derartiges sei nicht hinnehmbar und rundweg abzulehnen.