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Weltenbummlerin Elisabeth Hartwig Ex-Delmenhorsterin lebt und arbeitet in Shanghai

Von Britta Buntemeyer | 08.06.2015, 20:22 Uhr

Die 29-jährige Elisabeth Hartwig ist für die Personalabteilung einer Software-Firma in Shanghai verantwortlich. Vor der chinesischen Millionenmetropole zählten unter anderem die USA und Argentinien zu ihrem Zuhause auf Zeit.

Ein Studium in Stockholm, als Aupair in den USA, Talentmanagerin in einer argentinischen IT-Firma – nächste Station: San Francisco. So war zumindest der Plan. Doch für Elisabeth Hartwig kam es dann doch ganz anders. Die Weltenbummlerin lebt und arbeitet seit mittlerweile über einem Jahr in der chinesischen Millionenmetropole Shanghai. Zwischen moderner Architektur, buddhistischen Tempeln, beeindruckenden Wolkenkratzern und quirligem Nachtleben hat die ehemalige Delmenhorsterin ihr neues Zuhause gefunden.

Nur im Scherz von China gesprochen

„Ich habe mir nie vorgestellt, nach China zu gehen“, sagt Hartwig, die ihr Abitur an der IGS gemacht hatte. „Ich sagte es im Scherz zu meiner Freundin, als ich noch in Argentinien lebte. Dass mir China noch fehlen würde und es interessant sein könnte.“ Für ein halbes Jahr vielleicht, in der Personalabteilung eines Startup-Unternehmens. Über Berlin wollte Elisabeth Hartwig 2013 eigentlich nach San Francisco. Nur dort ist sie nie gelandet. Stattdessen wurde ihr eine Stelle auf Zeit in Shanghai angeboten. Im März 2014 ging es in die pulsierende Weltstadt. Aber auch hier verlief es, wie sollte es anders sein, nicht wie gedacht. Aus der Interimsstelle wurde mehr, inzwischen ist Elisabeth Hartwig fest in der Software-Firma TheNetCircle verankert. Sie ist verantwortlich für die Personalabteilung und hat ein sechsköpfiges Team.

„Der Moment, in dem du keine Ahnung hast“

Die weltoffene 29-Jährige, die in einer WG wohnt, kannte zuvor niemanden in Shanghai, fand das jedoch auch nicht schlimm. „Es ist immer aufregend, in eine neue Stadt zu ziehen“, sagt sie. „Ich glaube, das finde ich immer wieder so aufregend, den Moment, in dem du keine Ahnung hast und irgendwo ankommst. Fantastischerweise findet man durch die ganzen virtuellen Vernetzungen sehr schnell Anschluss.“ Generell sei es nicht schwer, Anschluss zu finden, denn es gebe eine große Gemeinschaft von Arbeitsmigranten. „Leider ist es dadurch auch schwer, mit Einheimischen befreundet zu sein, weil man die Sprache nicht unbedingt erlernen muss“, sagt Elisabeth Hartwig. Und wie sieht es mit den eigenen Kenntnissen des Chinesischen aus? „Ich konnte es vorher nicht und kann auch jetzt eher spärlich reden. In Shanghai kommt man aber auch sehr gut ohne zurecht. Die Sprache ist einfach ein wahnsinniger Zeitaufwand und viele möchten sich nicht die Zeit nehmen“, meint Hartwig. „Ich habe einige chinesische Freunde und ein chinesisches Team, sodass ich einiges mitbekomme. Dennoch ist es weitaus weniger als in den anderen Ländern, in denen ich gelebt habe. Aber ich setze mich auch mal allein in eine Bar. Dann bleibt man meistens auch nicht lange allein.“

Gemeinsame Geschichte fehlt

Eine Delmenhorsterin in der größten Stadt Chinas, neue Eindrücke ohne Ende im Reich der Mitte – da war der Kulturschock vorprogrammiert. Er dauerte etwa ein halbes Jahr. Zwar war alles toll und aufregend. „Ich habe gleichzeitig aber auch stark gefremdelt und gemeckert wie ein Rohrspatz. Das ist sonst nicht so meins. Das Schmatzen am Tisch, die vielen Menschen. Oder dass die Menschen hier nicht so laut lachen und sich beim Lachen den Mund zu halten.“ China ist für Elisabeth Hartwig noch immer sehr faszinierend. „Du hast einen immensen westlichen Einfluss. Man bekommt hier verdammt viel Westliches, an Essen und sportlichem Angebot fehlt nichts. Was ich aber vermisse, ist Vergangenheit, eine gemeinsame Geschichte zu haben.“ Kultur sei ein komplexes und sehr wichtiges Thema. Und auch die autoritäre Politik unter der herrschenden Kommunistischen Partei Chinas hat laut Hartwig einen großen Einfluss auf die Menschen.

Rückkehr nicht ausgeschlossen

Trotz aller Liebe zum Eintauchen in andere Kulturen – Elisabeth Hartwig kann es sich durchaus vorstellen, irgendwann wieder in Deutschland zu leben. „Ich bin definitiv offener als ich vorher gewesen bin“, sagt sie. „Es kommt immer darauf an, was man machen möchte. Gerade in Deutschland gibt es eine boomende Startup-Szene, die mich sehr reizt und die ich sehr spannend finde.“