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Wenig Pflege, würdiger Rahmen Erster Erinnerungsgarten in Delmenhorst vorgestellt

Von Frederik Grabbe | 26.11.2017, 17:04 Uhr

Selbst Orte der Stille wie Friedhöfe müssen mit der Zeit gehen. Auf der evangelischen Ruhestätte an der Wildeshauser Straße soll nun ein Erinnerungsgarten jahrzehntelanges und vor allem pflegeleichtes Trauern möglich machen.

„Nichts ist so beständig, wie der Wandel.“ Dieses Zitat beschreibt ziemlich gut, welche Veränderungen Friedhofsverwaltungen gerade zu meistern haben. „Weil Menschen immer seltener in ihrem Heimatort wohnen bleiben, gibt es in der Folge immer weniger Angehörige, die sich um die Grabstellen von Verstorbenen kümmern können“, sagt Zitatgeber Joachim Meyer-Rehberg. Der Geschäftsführer der Nordwestdeutschen Treuhandstelle für Dauergrabpflege hat am Sonntag auf dem evangelischen Friedhof an der Wildeshauser Straße den neuen Erinnerungsgarten vorgestellt. Damit will der Friedhof auf diese neue Zeit reagieren.

Das Prinzip: Wenig Aufwand, trotzdem würdiger Ort zum Trauern

Das Prinzip ist einfach: Der Erinnerungsgarten ist rund 50 Quadratmeter groß, hat Platz für 15 Urnen-Partner-, 60 Einzelurnen und zwei Sarg-Gräber. Die Grabpflege allerdings übernehmen professionelle Gärtnerbetriebe – Angehörige müssen sich also nicht mit der Pflege belasten. Und das über 25 Jahre. Verstorbene – deren Namen statt auf Grabplatten in Bronze auf Marmorstelen aufgetragen werden – ruhen gewissermaßen gemeinsam. Die Friedhofsverwaltung verkauft bereits „Rundum-Sorglos-Pakete“ für Urneneinzelgräber (1990 Euro), Urnen-Partnergräber (4200 Euro) und Sarggräber (6500 Euro). Das Geld wird von der Treuhandstelle über Jahre angelegt, vermehrt und für die Pflege eingesetzt, schildert Meyer-Rehberg.

Erster Erinnerungsgarten im Bereich der Oldenburgischen Kirche

„Die Entwicklung, dass Familien sich immer stärker aufteilen, gibt es ja schon länger“, sagt Friedhofsverwalter Ralf Behrmann. „Bestattungen in Urnen unter Bäumen oder in Rasengräber sind den Leuten bislang aber oft zu schmucklos – auch ist eine Paarbestattung nicht möglich.“ Der Erinnerungsgarten, der laut Behrmann in Verbindung mit der Treuhandstelle erste im Bereich der Oldenburgischen Kirche, sei darum eine gute Lösung, um den Wunsch von Angehörigen nach einem schmuck- und würdevollen Ort des Trauerns, aber auch nach einer aufwandfreien Pflege zu erfüllen. Auf dem Friedhof an der Wildeshauser Straße wachsen derzeit zum Beispiel bunte Heide, Steinbeeren oder der Bodendecker Golderdbeere. Pflanzen und Steinarbeiten symbolisieren geschlungene Lebenswege, die ins Tor zum Himmelreich münden.

Friedhof könnte bald zweiten Erinnerungsgarten anlegen

Grabstellen im Erinnerungsgarten an der Wildeshauser Straße gibt es noch nicht – hier sind Gärtnereien und Steinmetze in Vorleistung gegangen. Dass sich der Erinnerungsgarten einiger Beliebtheit erfreuen wird, da sind sie sich bei der Friedhofsverwaltung und beim Friedhofsausschuss aber recht sicher – und hoffen, bald einen zweiten anlegen zu können.