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Vortrag in Delmenhorst Wenn aus falscher Scham der Gang zum Arzt unterbleibt

Von Marco Julius | 22.05.2019, 19:17 Uhr

Simon John, Oberarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Josef-Hospital Delmenhorst, gibt in einem Vortrag einen kurzen Überblick über die häufigsten proktologischen Krankheitsbilder und deren fachärztliche Behandlung. Seine Tipps verrät er vorab.

Es gibt Geschichten, mit denen Patienten durchaus „prahlen“ können. Eine Sportverletzung macht sich gut, wenn man bei Kaffee und Kuchen die Gesellschaft unterhalten will. Es gibt aber auch Erkrankungen, bei denen Patienten voller Scham sind. Von denen erzählt niemand. „Oftmals werden aus Scham sogar gezielte fachärztliche Untersuchung, Beratung und Behandlung gar nicht wahrgenommen“, sagt Dr. Simon John. Er muss es wissen, denn er ist Facharzt für Viszeralchirurgie und Proktologie. Erkrankungen des Enddarms, also genauer des Mastdarms und des Analkanals, gehören zu seinem Spezialgebiet.

Die Scham nehmen, aufklären, Behandlungsmethoden aufzeigen, das will John am Donnerstag, 23. Mai, ab 18 Uhr in der nächsten Folge der Reihe „„Gesund in Delmenhorst“ am Josef-Hospital. Denn Leiden in der Analregion gehören für viele Menschen zum Leben. „75 Prozent der Menschen in Deutschland leiden im Laufe ihres Leben unter Hämorrhoiden“, sagt der Mediziner. Diese Zahl und der Fakt, dass viele Menschen mit diesem Leiden oft nicht den Arzt aufsuchen, erkläre den Fakt, „dass Analsalben, Zäpfchen und Hämorrhoidalmittel mit zu den am meisten frei verkauften Arzneimitteln in Deutschland gehören“.

Möglichkeiten moderner Medizin

In dem Vortrag heute will John unter anderem die verschiedenen Formen und Ausprägungen des Hämorrhoidalleidens, weitere schmerzhafte oder entzündliche Krankheiten des Analbereichs, aber auch seltenere Erkrankungen wie das anale Fistelleiden oder die Schließmuskelschwäche in den Fokus rücken. Zudem stellt er weitere wichtige Krankheitsbilder des Damms und der Perianalregion wie das Steißbeinfistelleiden und die Akne inversa vor. Doch es soll nicht nur um die Krankheitsbilder an sich gehen. John will auch aufzeigen, was mit moderner Medizin heute getan werden kann, um Menschen von ihrem Leid zu befreien.

Eine besondere Rolle kommt dabei einem Dioden-Laser zu, der im JHD im Dauereinsatz ist, wie John berichtet. Der neue Laser ist seit rund neun Monaten im Einsatz. John ist begeistert von den Behandlungserfolgen. „Der Laser bietet eine minimal-invasive und schonende Behandlungsoption. Es gibt im Gegensatz zu den chirurgischen Eingriffen keine großen Wunden. Der Laser ist sehr genau, umliegendes Gewebe wird nicht in Mitleidenschaft gezogen. Eine Inkontinenz, früher oft Folge des Eingriffs, ist durch den Laser kein Thema mehr.“

Hohe Erfolgsquote

Die Laser-Methode könne auch in Kombination mit den gängigen klassischen konservativen und operativen therapeutischen Verfahren angewandt werden. Der Laser biete einfach die höchste Erfolgsgarantie. John sagt:

„Auch in der Kombination erhöht sich die Erfolgschance der Behandlung. Und auch im Nachgang des Eingriffs tauchen für den Patienten deutlich weniger Beschwerden auf."“

Der Experte will Patienten Mut machen und Ängste abbauen. „Früher galten die angesprochenen Krankheitsbilder aufgrund ihrer oft chronischen Verläufe als schwierig zu behandeln und verlangten oftmals eine interdisziplinäre spezialisierte fachärztliche Behandlung. Die Medizin ist mittlerweile viel weiter.“ Nicht nur deshalb rät er dazu, bei Beschwerden schnell den Weg zum Arzt zu suchen. Im JHD werden regelmäßig proktologische Sprechstunden angeboten. „Brennen, Nässen und Juckreiz in der Analregion sowie Schmerzen und schlimmstenfalls Inkontinenz stellen für viele Menschen eine massive Einschränkung Leben dar“, sagt John. Gerade deshalb sei es wichtig, bei ersten Anzeichen medizinischen Rat zu suchen.

Was man präventiv gegen Hämorrhoiden machen kann, verrät John auch: Gesunde, ballaststoffreiche Ernährung, Übergewicht vermeiden, ausreichend Bewegung, beim Stuhlgang nicht zu sehr pressen, das sind Tipps des Mediziners. Er sagt: „Eine gute Verdauung schützt vor Hämorrhoiden.“ Im Anschluss an den heutigen Vortrag steht John für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung,

Mehr Informationen:

Zur Sache

Die kostenlose Vortragsreihe „Gesund in Delmenhorst“ richtet sich an interessierte Bürger aus Delmenhorst und Umgebung. Die Vorträge finden jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat von 18 bis 19 Uhr im Besucher Café (el Diá) am Josef-Hospital Delmenhorst statt. Als kleine Stärkung können sich die Besucher über kostenlose Brezeln und Getränke freuen. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung zu dieser Veranstaltung ist nicht erforderlich