Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Wenn Bach zu Jazz wird 28. Jazzfest Delmenhorst mit Schülerkonzert eröffnet

Von Marco Julius | 24.11.2017, 16:04 Uhr

Jazzmusiker lieben es, Melodien zu verfremden. „Blue Note Bach“ nehmen sich neben Bach auch Chopin und Debussy vor – und machen daraus Jazz.

Das moderierte Schülerkonzert ist ein noch recht junger Teil des Jazzfestes Delmenhorst – und doch darf man bereits sagen, dass es sich zu einem wichtigen Programmpunkt entwickelt hat. Das liegt auch daran, dass das Kulturbüro bislang ein gutes Händchen bei der Besetzung dieses Konzertes bewiesen hat. Mit Jens Schöwings „Blue Note Bach“ ist genau das gestern Vormittag erneut deutlich geworden.

„Menuett in G“ als Ska oder Rock

Die Schülerkonzerte können dem Jazz ein neues Publikum erschließen – und sie machen, trotz eines Ansatzes, der durchaus pädagogisch zu nennen ist, zudem einfach Spaß. Schöwing zeigte mit seinem Quartett auf, wie aus klassischen Vorlagen Jazz-Interpretationen werden. Melodien umspielen, verfremden, auseinandernehmen und neu zusammensetzten, Versatzstücke herausstellen, um darüber zu improvisieren, das ist Teil des Jazz. Während sich der Großteil aller Jazzmusiker mit der Interpretation amerikanischer Broadwayschlager beschäftigt, widmet sich die Band „Blue Note Bach“ aber Themen der europäischen klassischen Musik. Neben Bach standen im Kleinen Haus auch Chopin und Debussy im Mittelpunkt.

Unter anderem gab es das Bachstück „Menuett in G“ aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach zu hören. Zunächst im Original am Klavier, dargeboten von einer Musikschülerin, dann übernahm das Quartett von Schöwing und versuchte sich an verschiednen Stilen: Reggae, Deutsch-Pop. Dancehall, Rock, Ska oder klassischer amerikanischer Jazz: das Quartett Schwöing (Klavier), Matthias Entrup (Vibrafon), Christian Frank (Kontrabass) und Marc Prietzel (Schlagzeug) zeigte, wie man sich Bach auch nähern kann, ohne Bach ganz aus dem Stück zu tilgen.

Bach als Jazzmusiker

Kurze und launige Erläuterungen machten klar, was Jazz leisten kann, wofür Jazz steht. Ausflüge in die Rhythmik und die Instrumentierung sowie Einblicke in die Vorgehensweise von Jazzbands zeigten die Bandbreite der Musikrichtung. Und Johann Sebastian Bach, der sei nun einmal der größte Jazzmusiker aller Zeiten. „Der hat schon Jazz gemacht, als es noch gar keinen Jazz gab“, sagte der Bremer Schöwing.

Die Schüler im Publikum gehen den Weg mit, bejubeln die Auftritte der Musikschüler und von Blue Note Bach. Auch wenn nicht jeder Teenager über eine ausgeprägte Aufmerksamkeitsspanne verfügt und nach dem Konzert zum Klassik- oder Jazzfan mutieren wird: das Schülerkonzert ist Werbung für die Musik und Werbung für das Jazzfest.

Den Schulen in Delmenhorst und umzu sei ins Stammbuch geschrieben, dass im kommenden Jahr das gestern sehr gut gefüllte Kleine Haus auch gern ausverkauft sein dürfte.