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„Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ Bühnenklassiker sorgt in Delmenhorst für unterschiedliche Reaktionen

Von Lennart Bonk, Lennart Bonk | 16.11.2016, 18:41 Uhr

Das anspruchsvolle Bühnenstück hat nicht den Geschmack des gesamten Publikums getroffen. Dennoch erhielt das Ensemble ausgiebigen Applaus für die überzeugende schauspielerische Leistung.

Laut, vulgär und mit vielen Seitenhieben: So wurde das Schauspiel „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ am Dienstagabend im Kleinen Haus präsentiert. Die Kempf Theatergastspiele waren mit dem Bühnenstück des US-amerikanischen Dramatikers Edward Albee, das von Alissa und Martin Walser ins Deutsche übersetzt wurde, in Delmenhorst zu Gast. Leslie Malton und Felix von Manteuffel, die auch abseits der Bühne verheiratet sind, gaben dabei das alte Ehepaar Martha und George. In drei Akten wurde den rund 320 Zuschauern der Ehekrieg zwischen den beiden streitlustigen Charakteren dargeboten.

Trotz zynischen Seitenhieben ein liebendes Ehepaar

Seit 20 Jahren sind die Tochter des College-Präsidenten und der Geschichtsprofessor, der am besagten College unterrichtet, verheiratet. Als die beiden nach einer Feier nach Hause kommen, eröffnet Martha ihrem Gatten, dass sie noch ein junges Paar eingeladen habe: Den neuen Biologieprofessor Nick (Urs Stämpfli) und seine Frau (Judith Hoersch), die er liebevoll „Honey“ nennt. Zwischen Martha und George entfacht ein feuriger Streit, der durch zunehmenden Alkoholkonsum heftiger wird. Unfreiwillig wurden sowohl die Gäste als auch das Publikum Zeugen ihres Beziehungskrieges. Nach gut drei Stunden endete der wortreiche Ehekrieg mit der Gewissheit, dass Martha und George trotz ihrer zynischen Seitenhiebe einander brauchen und lieben.

Nicht jeder Besucher fand Geschmack am Bühnenklassiker

Mit dem Bühnenstück, das als Klassiker des 20. Jahrhunderts gilt, bekamen die Theaterbesucher ein anspruchsvolles Drama zu sehen. Nicht jedem Zuschauer sagten die lauten und vulgären Dialoge sowie die zahlreichen Seitenhiebe zu. So traten einige Besucher schon vor der Pause die Heimreise an.

Ausgiebiger Applaus für das vierköpfige Ensemble

Auch wenn der ausschweifende Beziehungskrieg nicht den Geschmack des gesamten Publikums traf, konnte das vierköpfige Ensemble ausnahmslos mit tollen schauspielerischen Leistungen glänzen. Mit großem Einsatz haben sie ihren vielschichtigen Charakteren gekonnt Leben eingehaucht. Den ausgiebigen Applaus, den das Publikum am Ende der Vorführung spendete, haben sich die vier Darsteller redlich verdient.