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Wer war Ruth Müller? Biografie früherer Nordwolle-Arbeiterin wird rekonstruiert

Von Frederik Grabbe | 12.05.2018, 09:31 Uhr

Ruth Müller soll eine Symbolfigur für Arbeiterinnen auf der Delmenhorst Nordwolle sein. Doch eigentlich ist ziemlich wenig über sie bekannt. Das soll sich jetzt ändern.

Zwei Mitarbeiterinnen des Museums auf der Nordwolle befinden sich derzeit auf einer besonderen Spurensuche. Die Museumspädagogin Gerda Hartmann und die Historikerin Maike Tönjes versuchen, den Lebensweg der Delmenhorsterin und Nordwolle-Arbeiterin Ruth Müller zu rekonstruieren.

Soll symbolisch für die Arbeiterinnen stehen

Ruth Müller ist für die Stadt schon jetzt etwas Besonderes – obwohl ziemlich wenig über sie bekannt ist: Der Landesfrauenrat hat kürzlich beschlossen, das Delmenhorster Museum zum Frauenort werden zu lassen. Ruth Müller soll dort auf Antrag des Museums und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Petra Borrmann, symbolisch für die Arbeiterinnen auf der Nordwolle stehen. „Viel wissen wir nicht über Müller, aber genug, um sie zur symbolischen Person zu erheben“, sagt Museumsleiter Carsten Jöhnk.

Mehr als 20 Jahre bei der Nordwolle tätig

Bekannt über Ruth Müller ist Folgendes: Geboren 1922 in Schlesien, kam sie als Flüchtling nach dem Zweiten Weltkrieg nach Delmenhorst. Von 1960 bis 1981 arbeitete sie auf der Nordwolle, oder genauer in der Vereinigten Kammgarnspinnerei AG. Während dieser Zeit war sie auch Betriebsrätin und als solche in der Gewerkschaft Textil-Bekleidung. Später führte sie bis ins hohe Alter als Zeitzeugin Besucher durch das Museum, ehe sie 2008 verstarb. Es gibt zwei Fotos von ihr. Grob umrissen war‘s das dann aber auch schon, was Gerda Hartmann und Maike Tönjes über sie bekannt ist.

Hartmann: „Durch ihre Rolle als Arbeiterin spiegelt Ruth Müller einen Aspekt der Frauengeschichte, der weiblichen Arbeit auf der für Delmenhorst so bedeutenden Nordwolle. Darum würden wir gerne mehr über ihr Leben wissen.“ Und Museumsleiter Jöhnk ergänzt: „Geschichte ist noch immer in erster Linie Männergeschichte. Wir brauchen mehr Gleichberechtigung in der Geschichtsforschung. Den Weg dorthin gehen wir gerade.“

Staatsarchive durchstöbert

Um das Leben von Ruth Müller besser ausleuchten zu können, durchstöbert Historikerin Tönjes verschiedene Staatsarchive in Bremen, Hannover oder Oldenburg, „die reinste Detektivarbeit“, wie sie sagt. Doch das wird nicht reichen. Hartmann: „Wir bitten die Bevölkerung um Hinweise: Wer hat Ruth Müller gekannt? Wie hat sie als Betriebsrätin gewirkt? Welche Arbeit hat sie auf der Nordwolle verrichtet? Gibt es noch alte Sitzungsprotokolle aus ihrer Zeit im Betriebsrat? Jedes Detail ist wichtig.“ Dazu würden die Museumsmitarbeiterinnen gerne mehr erfahren über weibliche Arbeit auf der Nordwolle. Welche Tätigkeiten füllten Frauen aus? Gibt es noch Gegenstände wie alte Arbeitskleidung, die die Arbeit erfahrbar machen?

Ausstellung geplant

Die gesammelten Erkenntnisse und möglicherweise Gegenstände sollen ab 21. September in einer Ausstellung präsentiert werden und später auch Teil der Dauerausstellung sein.