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Wetterkapriolen vor Ausverkauf Verunsicherte Delmenhorster kaufen weniger

Von Kai Hasse | 03.08.2017, 09:23 Uhr

Regen. Dann doch wieder Sonne. Dann Regen. Dann Schwüle. Dann Wind, Regen, Sonne... Die Liste kann so weitergehen. Die Delmenhorster haben bisher einen wechselhaften Sommer erlebt. Das merken zum Teil auch Bekleidungsverkäufer.

Ein erstaunlicher Fakt vorweg: Ausgerechnet leichte Jacken – von denen man annehmen sollte, dass sie in einem wechselhaften Sommer gern mal gekauft werden – hängen zum Teil noch in den Regalen fest. Warum das so ist, bleibt schleierhaft: „Wir wundern uns selbst ein wenig“, sagt Sabine Reinhold, Inhaberin des Geschäftes „Der Herrenausstatter“. Probleme mit der Sommermode hatte sie trotz des Wetters wenige. Die Kollektion wurde angenommen. „Ob Polo-Shirts, kurze Hosen – die Sommersachen sind fast alle raus“, sagt sie. Nur die leichten Jäckchen, die kranken etwas.

Sportbekleidung seit jeher wetterabhängig

Eine ähnliche Beobachtung hat auch Julian Flocke gemacht. Er ist Besitzer unter anderem von „Intersport“ und „Just Jeans“. Speziell der Sportbekleidungsbereich sei „seit jeher wetterabhängig“, meint er. Und er bemerkt durchaus etwas kauf-faulere Kundschaft – speziell eben bei den Jacken. „Das Problem ist: Bei oft wechselndem Wetter werden die Menschen verunsichert. Und durch die Verunsicherung wird weniger gekauft.“

Aber Flocke nimmt auch Missstände in der Innenstadt konkret aufs Korn. „Für uns Einzelhändler ist es noch wichtiger, dass die Unsicherheit der Kunden über die Parkplatzsituation geklärt wird“, sagt er. „Seit im Januar ein großes Parkhaus geschlossen worden ist, bemerken wir einen Frequenzrücklauf.“ Außerdem gäbe es eine „massive Beeinträchtigung“ durch Pflasterarbeiten in diesem Sommer in der Langen Straße.

Modische Vorbereitung auf den Sommer

Noch etwas, das Flocke etwas erstaunt hat: Ausgerechnet die Badesachen laufen recht gut, „trotz des nassen Wetters.“ Er und Sabine Reinhold vermuten beide, dass die Delmenhorster sich in den vergangenen Monaten gut auf ihre Urlaube im Warmen eingestellt haben.

Weniger Auswirkungen des Wetters auf das Kaufverhalten der Kunden haben Gernot Böttjer von „Männer Többens“ oder Stefanie Stöhr-Hering von „Komplott“ festgestellt. Bei beiden sind Neptuns Kapriolen nicht weiter aufgefallen. „Männer kaufen eher, wenn sie generell etwas brauchen“, sagt Böttjer. Vorübergehende Witterungsänderungen seien bei ihnen nicht allzu ausschlaggebend. Und Stöhr-Hering: „Bei uns hat das Wetter gar keinen Einfluss auf das Kaufverhalten.“ Eher geschehe es, dass das Geschäft bei bulliger Hitze generell wenig besucht wird – weil ohnehin weniger geshoppt werde.

Mit Schulbeginn kommt der Räumungsverkauf

Unterdessen stellen sich die Geschäfte bereits frühzeitig auf den saisonalen Räumungsverkauf ein. Die Prozente kommen an die Ware, gern auch mit herzhaften Nachlässen. Ungeachtet dessen, was gerade am Himmel passiert, versuchen die Geschäfte das aus dem Lager zu bekommen, was übrig geblieben ist – die Lager müssen leer werden, damit Platz da ist für die neue Kollektion. Die Wintermode ist im Anmarsch.

In diesem Jahr fängt der Ausverkauf früh an – die Sommerferien waren früh vorbei, und damit ist auch faktisch die Zeit des Urlaubs und der Sommermode zu Ende, erklärt Flocke. „Wir brauchen dieses Ventil, um die Überhänge aus der laufenden Saison an den Mann oder die Frau zu bekommen“, meint der Einzelhändler.