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Sozialarbeit in Delmenhorst Wie das Hasporter Nachbarschaftsbüro das Müllproblem im Stadtteil anpackt

Von Frederik Grabbe | 02.05.2019, 16:20 Uhr

Herumliegender Müll ist für viele Menschen in Hasport ein Ärgernis. Das Nachbarschaftsbüro Hasport hat die Aufgabe, sich den Problemen im Stadtteil anzunehmen – und zwischen den Bewohnern zu vermitteln. Die Einrichtung ist nun ein Jahr alt. Zeit für einen Rückblick.

Die Arbeitsresultate des vergangenen Jahres lassen sich zum Teil an einem Baum ablesen – und zwar in Form von prallen roten Äpfeln: Im Eingangsbereich des noch jungen Nachbarschaftsbüros in Hasport haben Mitarbeiterinnen und Stadtteilbewohner einen Baum aus buntem Papier an die Wand gebastelt. Die grünen Blätter stehen für Wünsche der Hasporter, die Äpfel für das bislang Erreichte. "Plattdeutscher Nachmittag mit Mia Olsen", "Nouruz 3/19", der Begriff steht für das persische Frühjahrsfest, oder "Frauensprachkurs, dienstags, 17-19 Uhr" ist da zum Beispiel zu lesen. Das ist natürlich nur ein Abriss des insgesamt Erreichten. Und darauf hat das Nachbarschaftsbüro Hasport an der Annenheider Straße am Donnerstag bei einem Stadtteilfrühstück zurückgeblickt – und dabei auch seinen ersten Geburtstag gefeiert.

Herausforderungen im Ankommensstadtteil

Die Gründung der Einrichtung in Trägerschaft der Diakonie vor einem Jahr lag in der Zusammensetzung der Hasporter Bewohnerschaft begründet, sagt Saskia Kamp, Geschäftsführerin der Diakonie. Gerade in den Hochhäusern neben dem Nachbarschaftsbüro lebten viele "sozial Schwache", wie es landläufig heißt, wobei Kamp deutlich macht, dass sie sich mit dem Begriff schwer tut. "Hasport ist ein Ankommensstadtteil. Es herrscht eine hohe Fluktuation. Ziehen Neubürger hierher, sind sie nach zwei Jahren möglicherweise wieder weg und die Bevölkerung setzt wieder neu zusammen." Das bringt Herausforderungen für das Zusammenleben mit sich, zumal Neuankömmlinge mehrheitlich aus dem Ausland stammen und nicht mit hiesigen Gepflogenheiten, geschweige denn mit der Sprache vertraut sind.

(Weiterlesen: Wie Gemeinwesenarbeit in Delmenhorst funktioniert)

Nachbarschaftsbüro nimmt Kampf gegen Vermüllung auf

Um sich erst einmal ein Bild vom Stadtteil zu machen, haben die Mitarbeiterinnen kurz nach der Gründung 164 Bewohner nach ihren Eindrücken befragt. "Viele Hasporter sind zufrieden, der See, die Nähe zur Natur, die gute Verkehrsanbindung und die gute Infrastruktur mit vielen Einkaufsmöglichkeiten wurden gelobt", sagt Mitarbeiterin Alexandra Hildener. "Was nicht so gut bewertet wurde, war die Müllsituation." Damit setzt sich das Büro in Hasport genau damit auseinander, was auch bei den anderen Delmenhorster Nachbarschaftszentren im Wollepark, Düsternort und Deichhorst stets beklagt wird. "Wir sind an dem Problem dran. Wir haben zum Beispiel eine Bewohnerversammlung veranstaltet und mit verschiedenen Akteuren, wie von der ADG und der Stadt, Ideen gesammelt. Herausgekommen ist, dass wir uns im Stadtteil beim Aktionstag 'Delmenhorst putzt sich heraus' beteiligt haben", sagt Hildener.

Vermittler zwischen Kulturen

In anderen Belangen tritt das Büro eher als Mittler auf. Kamp: "Wenn jemand nachts um zwei die Wohnung saugt und wegen fehlender Sprachkenntnisse nicht versteht, warum sich sein Nachbar aufregt, können wir einen Kontakt vermitteln." Diese Kontaktmöglichkeit für verschiedene Probleme über das Büro zu institutionalisieren und darüber hinaus beispielsweise auch Sprachtreffs anzubieten, die zur Orientierung in der Stadt beitragen, sei ebenfalls Teil dieser Mittlerrolle des Nachbarschaftsbüros.

Nachbarschaftsbüro will Beirat gründen

Nächster Schritt in der Agenda ist nun die Gründung eines Beirats, der sich aus sechs Bewohnern und drei Vertretern der Stadt und der Politik zusammensetzt, erzählt Anna Brökling, ebenfalls Mitarbeiterin des Hasporter Nachbarschaftsbüros. Der Beirat entscheidet zum Beispiel darüber, wie die 2500 Euro aus dem Quartiersfonds, gefüllt mit Geld der Stadt, vergeben werden. "Ein Fest, Ausflüge oder auch einfach nur eine Bank vor der Haustür oder ein Aschenbecher an einer bestimmten Stelle könnte damit finanziert werden", gibt Brökling Beispiele vor. Und noch ein weiter Zweck wird über den Beirat erfüllt: "Die Bewohner lernen, sich mit anderen zu einigen, Dinge zu gestalten und um Mehrheiten für ihre Ideen zu werben. Das ein basisdemokratischer Prozess, der auch die Wertschätzung gegenüber dem eigenen Umfeld steigert", sagt Diakonie-Geschäftsführerin Kamp.

Sehr gut möglich also, dass noch viele weitere Projekte aus Ideen der Hasporter hervorgehen – und einmal als roter praller Apfel am Baum im Eingangsbereich enden.