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Vortrag am Josef-Hospital Delmenhorst Wie man sich bei Unfällen im Haushalt verhalten sollte

Von Marco Julius | 17.09.2019, 18:19 Uhr

In der Patientenvortragsreihe „Gesund in Delmenhorst“ greift der Notfallmediziner Thomas Vogel das Thema „Unfälle im Haushalt " auf. Er spricht von einer unterschätzten Gefahr.

Unfallgefahr? Klar, kennt man. Im Straßenverkehr gibt es oft brenzlige Situationen, jeden Tag ist auch in dieser Zeitung von Verletzten zu lesen, oft enden Verkehrsunfälle sogar tödlich. Und dennoch: Nirgendwo passieren so viele Unfälle wie im Haushalt. Das sagt einer, der es wissen muss. Thomas Vogel ist seit über 25 Jahren als Notarzt im Einsatz, er ist Leiter der Zentralen Notaufnahme am Josef-Hospital Delmenhorst und Facharzt für Innere Medizin. Er weiß: „Bei Unfällen im Straßenverkehr sterben bundesweit jährlich ungefähr 3500 Menschen – im Haushalt sind es doppelt so viele.“ Laut einer Statistik des Robert-Koch-Instituts erleiden 2,8 Millionen Bundesbürger im Jahr einen Unfall im Haushalt. Das überrascht durchaus. Weil viele denken, das eigene Heim ist einem vertraut, ist ein sicherer Ort. Vogel weiß es aus Erfahrung besser.

Wo Gefahren lauern

Stürze, Schnittwunden, Verbrühungen und Verbrennungen, Stromschläge: In Haushalt und Garten lauern laut Vogel allerhand Gefahren. In der Patientenvortragsreihe „Gesund in Delmenhorst“ greift der Notfallmediziner das Thema jetzt auf. „Unfälle im Haushalt - Wie sollte man sich verhalten?“ lautet der Titel des Vortrags, den er am Donnerstag, 19. September, ab 18 Uhr im Besucher-Café (Café el Dia) des JHD hält. „Was kann ich tun, um Unfälle zu vermeiden? Und was muss ich tun, wenn es doch zu einem Unfall gekommen? Diese beiden Ftagen stehen im Zentrum meines Vortrags“, blickt Vogel voraus.

„Frauen erleiden die meisten Unfälle übrigens beim Kochen. Männer holen sich ihre Verletzungen dagegen oft beim Heimwerken“, hat der Mediziner beobachtet. Wo auch immer Unfälle passieren, Vogel weiß: „Die Gefahren im Haushalt werden weit unterschätzt.“ Mit dem Vortrag wolle er für das Thema sensibilisieren, „denn Unfälle passieren ja nicht schicksalhaft“.

Stolperfallen beseitigen

Wer Unfälle vermeiden wolle, der könne durchaus strategisch vorgehen und etwa Stolperfallen in Haus und Wohnung beseitigen. Ein Bettvorleger, der rutscht, ein Kabel im Weg, herumliegende Schuhe, schon könne es zu einem Sturz kommen. „Gerade nachts, wenn man noch nicht ganz wach ist und wenn man das Licht nicht anmacht, weil man vielleicht den Partner nicht wecken möchte, ist die Gefahr zu stürzen besonders groß“, sagt Vogel.

Nicht vernünftig gesicherte Leitern, waghalsige Konstruktionen, um die Gardinen aufzuhängen, Vogel hat schon viel gesehen, in seinem Berufsleben. Mal eben auf einen wackeligen Stuhl steigen, um eine Birne zu wechseln, womöglich noch in Filzpantoffeln: Schon könne es passiert sein.

Ältere Menschen gefährdet

Mit zunehmendem Alter steige nicht nur die Gefahr für Unfälle im Haushalt. Auch das Risiko, sich schwerwiegendere Verletzungen zuzuziehen steige. Unfälle mit Todesfolge treffen vor allem Menschen ab 65 Jahren aufwärts, das belegen Statistiken. Stürze können nicht mehr so gut abgefangen werden, Brüche verheilen schlechter, der Muskelapparat leidet, wenn Patienten Tage oder Wochen ans Bett gefesselt sind. Die Folgen eines Sturzes könnten verheerend sein.

„Erst jetzt wieder ist eine Frau bei uns eingeliefert worden. Alleinstehend. Sie ist nachts gestürzt, Oberschenkelhalsbruch. Sie konnte allein nicht aufstehen und ist nach einigen Stunden erst am Morgen von Nachbarn gefunden worden“, erzählt Vogel. Ältere Menschen seien oft auch deshalb gefährdet, weil sie Medikamente nehmen, die unerwünschte Nebenwirkungen haben. „Wenn etwa der Kreislauf dadurch schwach wird, ist die Sturzgefahr groß. Hier sind Gespräche mit dem Hausarzt über die richtige Dosierung wichtig“, sagt Vogel.

Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig auffrischen

Schnitt- und Stichverletzungen im Haushalt und im Garten kommen ebenfalls häufig vor. „Ob mit dem Küchenmesser, mit der Kreissäge oder mit einem Rasenmäher“, berichtet Vogel. Einmal nicht aufgepasst, einmal nicht konzentriert, einmal alles in Eile und vieles gleichzeitig erledigen wollen, schon spritzt das Blut. Vogel zeigt in seinem Vortrag auch viele Bilder, um sein Anliegen zu veranschaulichen. „Eigentlich sollte jeder seinen Erste-Hilfe-Kurs regelmäßig auffrischen. Zudem sollte jeder darauf achten, dass in der Hausapotheke alles vorhanden und schnell zu finden ist.“

Vogel wird in seinem Vortrag auch darauf eingehen, was man tun kann und muss, wenn das Kind doch in den Brunnen gefallen ist. „Kleine Verletzungen können mit der Hausapotheke in den Griff bekommen werden. Nicht jede Verletzung erfordert den Notarzt. Je nach Art des Unfalls ist, wenn notwendig, ein Kontakt zum Hausarzt oder zur Notfallpraxis der nächste Schritt. Bei schwerwiegenderen Vorfällen ist dann der Notruf 112 die richtige Maßnahme“, sagt Vogel.

Mehr Informationen:

Zur Sache

Die kostenlose Vortragsreihe „Gesund in Delmenhorst“ richtet sich an interessierte Bürger aus Delmenhorst und Umgebung. Die Vorträge finden im Besucher-Café el Diá am JHD statt. Als kleine Stärkung können sich die Besucher über kostenlose Brezeln und Getränke freuen. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.