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Wiederverwertung vor Ort Delmenhorster Give Box bietet Ausgedientem neue Chance

Von Frederik Grabbe | 19.01.2015, 18:02 Uhr

Zu schade für die Tonne: Die Give Box an der Delmenhorster Rosenstraße bietet Ausgedientem eine neue Chance. Die Idee, Gebrauchtes zu tauschen, anstatt wegzuwerfen, wird auch an anderer Stelle in der Stadt praktiziert.

Der eine gibt, der andere nimmt – und bringt für einen Dritten wieder etwas mit: Es ist ein einfaches und wirkungsvolles Rezept, nach dem die Give Box der Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten an der Rosenstraße funktioniert. Hat jemand beispielsweise ein ausgelesenes Buch zuhause und weiß, dass er es nicht noch einmal liest, kann er dieses in das Regal des etwa zwei Quadratmeter großen Verschlags an der Rosenstraße stellen. Im Gegenzug darf der Spender sich einen anderen Gegenstand aus der Box nehmen. Ein anderes Buch etwa, Kinderspielzeug oder Geschirr.

Auch Nachbarn bringen Ausgedientes vorbei

„Die Leute haben oft Gegenstände zuhause, die sie nicht mehr brauchen, aber gleichzeitig zu schade für die Mülltonne sind“, erläutert Sonja Pape den Hintergedanken zur Give Box. Sie kümmert sich mit ihrem Mann Willhelm um den Verschlag, füllt Gegenstände auf oder hält ihn sauber. „Die Idee zur Box haben wir 2013 von einem Besuch in Dortmund bei einer Partnergemeinde mitgebracht“, sagt sie. Ihr Mann, pensionierter Pastor und gelernter Tischler, baute die Holz-Box in den Bereich einer ehemaligen Garage zusammen. Die Papes rühren seitdem im Bekannten- und im Freundeskreis und in ihrer Gemeinde die Werbetrommel für die Wiederverwertung. Aber auch viele Nachbarn kommen vorbei, um Ausgedientes abzugeben. So erzählt eine Anwohnerin, die nicht genannt werden möchte: „Einmal wollte ich einen Teddy abgeben, aber der wurde mir schon aus der Hand genommen, bevor ich in überhaupt ablegen konnte.“ Sie käme täglich an der Box vorbei und brächte öfter Gegenstände. Heute gibt sie etwa eine Blumenvase ab. „Die muss ja nicht in die Tonne.“ Die Give Box halte sie für eine tolle Sache.

Besonderer Fund: ein Instrumentenkasten für ein Tenorhorn

Aber nicht nur Bücher und Vasen sammeln sich darin. Geschirr, ein Instrumentenkoffer für ein Tenorhorn, einen Tisch, Gardinenstangen, Computer, Fernseher oder einen Soda-Stream haben die Papes auch schon in dem zu jeder Tages- und Nachtzeit geöffneten Verschlag entdeckt. Stets präsent ist aber: eine Bibel. Diese soll auf den Anschluss an die Freikirchengemeinde hinweisen.

Die Bürgerideenbörse ebnet den Weg

Die Idee, Gebrauchtes einfach zu tauschen anstatt in den Müll zu werfen, hat auch die Delbus in ihrer Bücherbörse aufgenommen. Im Kundencenter am ZOB zum Beispiel können sich Kunden der Busfahrgesellschaft nach Lust und Laune aus dem dort aufgestellten Regal bedienen – mittlerweile auch, ohne zwingend wieder einen anderen Schmöker hineinzustellen. „Die Bücherbörse haben wir vor drei Jahren eingerichtet. Mittlerweile bringen die Leute kistenweise Bücher ins Kundencenter. Es läuft wie geschnitten Brot“, resümiert Delbus-Geschäftsführer Carsten Hoffmann. Mittlerweile wurden in mehr als der Hälfte der 26 Busse Fahrradkörbe montiert, in denen Bücher auf die Fahrgäste warten und die regelmäßig aufgefüllt werden. Die Anzahl der getauschten Bücher gingen laut Hoffmann mittlerweile in die Tausende. Die Vorteile: Durch die Unterbringung im Kundencenter und in den Bussen gebe es Vandalismus praktisch nicht, die Bücherbörse bringe kaum Kosten mit sich und die Fahrgäste erhalten einen Mehrwert zum Busfahren – zusätzlich zu den Kinderbeifahrerplätzen oder den Briefkästen, in denen Briefe an die Stadtverwaltung kostenfrei eingeworfen werden können. „Ursprünglich wurde die Bücherbörse als Vorschlag der Bürgerideenbörse in den Stadtrat eingebracht“, so Hoffmann.

Ein sinnvolle Aktion von Bürgern für Bürger

Den gleichen Ursprung hat ebenfalls das Büchertauschregal im Eingangsbereich des Videospieleladens Gameground an der Langen Straße. Kaufmann Christian Wüstner: „Für uns stellt es keinen Aufwand dar, das Regal abends wieder in den Laden zu stellen.“ Wüstner verzeichne einen großen Zulauf, mehrere Hundert Bücher hätten seit der Aufstellung den Besitzer gewechselt.“ „Es ist eine sinnvolle Aktion von Bürgern für Bürger.“