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Arbeitsmarkt im Januar Winterwetter lässt Delmenhorster Arbeitslosenzahl anwachsen

Von Frederik Grabbe | 01.02.2019, 07:17 Uhr

Mehr Arbeitslose, darunter besonders viele Männer, hat das Januar-Wetter dem Arbeitsmarkt beschert. Der Zuwachs bei den Arbeitslosen liegt aber auf gutem Niveau. Die Agentur für Arbeit rechnet mit bald wieder mit einer guten Wirtschaftslage.

Die Zahl der Arbeitslosen hat im Januar wieder zugenommen – allerdings steht der Arbeitsmarkt in Delmenhorst noch immer deutlich besser da als vor einem Jahr. Das geht aus den neuesten Zahlen der Agentur für Arbeit hervor, die am Donnerstag vorgestellt worden sind.

9-Prozent-Marke bei der Arbeitslosigkeit wieder übersprungen

In der Stadt Delmenhorst ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum vergangenen Dezember um 280 Personen gestiegen. 3603 Männer und Frauen waren damit im Januar ohne Arbeit, das entspricht einer Quote von 9,2 Prozent. Damit ist die 9-Prozent-Marke nach vergleichsweise günstigen Monaten am Arbeitsmarkt wieder überschritten worden. Vor einem Jahr aber waren noch 413 Menschen mehr arbeitslos – "hier zeichnet sich keine Trendwende ab. Langfristig gesehen sind die Zahlen immer noch gut", ordnete die Agentur-Geschäftsstellenleiterin Karin Kayser die Daten ein. Sie verweist zudem auf eine Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), wonach die Konjunktur 2019 wieder anziehen wird. In Ganderkesee wurden 616 Arbeitslose gezählt (+51).

(Weiterlesen: Arbeitslosigkeit ist 2018 in Region deutlich geschrumpft)

Winterwetter lässt Arbeitslosenzahl wachsen

Saisonbedingt seien zum Beispiel besonders in Bauberufen oder im Gartenbereich Verträge gekündigt worden oder ausgelaufen, sagte Kayser. Solche Berufsfelder seien vor allem männerdominiert: Darum seien vor allem Männer (187) arbeitslos geworden, Frauen (92) hingegen seltener. Kommen die wärmeren Monate, so die Geschäftsstellenleiterin, ziehe der Bedarf nach Arbeitskräften wieder an.

(Weiterlesen: Wie Frauen den Fachkräftemangel mildern sollen)

Mehr Informationen:

Mehr als 10.000 Delmenhorster erhielten 2016 Leistungen der Grundsicherung, eine „hohe Zahl“, wie das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm 2017/2018 festhält. Arbeit oder eine Ausbildung zu finden, sei „unter realen Marktbedingungen“ nur schwer zu realisieren – und wenn, nur auf lange Sicht. Im Juli 2016 hatten 71 Prozent aller Jobcenterkunden keinen Berufsabschluss, nur 11 Prozent wiesen marktnahe Bewerberprofile auf. Unter ihnen ist die Zahl der Alleinerziehenden mit 1059 „hoch“, wie es in dem Papier heißt. Aufgrund der geringen Quote an Berufsabschlüssen und der schwierigen Betreuungssituation liege ein „besonderes Augenmerk“ auf Alleinerziehenden.Von 7500 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten sind 5000 im Langzeitleistungsbezug, 3300 sind seit länger als vier Jahren ohne Arbeit.Tiefstwerte in den vergangenen fünf Jahren wurden bei den Zahlen der Leistungsempfänger (7619) und Bedarfsgemeinschaften (5413) erreicht (2011: 7300; 5197). Grund ist laut Integrationsprogramm der Flüchtlingszuzug.Die Beschäftigungsquote in der Stadt liegt bei 54 Prozent, drei Prozent unter dem Bundesschnitt. Auch wenn im vergangenen Jahr die Arbeitslosigkeit abgebaut werden konnte, liege dies an arbeitsmarktpolitischen Instrumenten, also Maßnahmen des Jobcenters. Exemplarisch steht dafür die Zahl der Unterbeschäftigten von 5840 (Januar 2017: 14,4 Prozent, Januar 2016 13,5 Prozent).Schwierig sei der Delmenhorster Arbeitsmarkt auch wegen der enormen Pendleranzahl. Gegengerechnet 6700 Menschen pendeln täglich aus der Stadt, um woanders einer Arbeit nachzugehen.

Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt vergleichsweise hoch

Dass trotz der saisonalen Entwicklung die Nachfrage vergleichsweise hoch ist, machte Regina Krumpe aus dem Arbeitgeberservice deutlich: 683 Stellen standen im Januar offen, 34 mehr als vor einem Jahr. Auch bei den Stellen also setzt sich die langfristig günstige Kräftenachfrage durch. In den Bereichen Produktion und Fertigung (273), Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (128) sowie Verkehr und Logistik (93) standen am meisten Stellen frei. Dass die Nachfrage auf dem Bau und in der Gebäudetechnik (74 freie Stellen) besonders hoch ist, unterstrich Krumpe ebenfalls: "Der Fachkräftebedarf ist trotz Winterwetters unverändert hoch."

Grad an Unterbeschäftigung hoch

Dass der Delmenhorster Arbeitsmarkt trotz guter Konjunktur nicht der glänzendste ist, macht der Blick auf die Unterbeschäftigung deutlich: Zusätzlich zu den 3603 Arbeitslosen werden weitere 1720 Männer und Frauen als Unterbeschäftigte bezeichnet. Sie suchen also Arbeit, besuchen aber zum Beispiel Jobcenter-Maßnahmen oder Integrationskurse, gelten darum nicht als arbeitslos, erhalten aber Leistungen von Agentur oder Jobcenter.